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11. November

Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind…


Martin von Tours – wir kennen ihn heute als Sankt Martin – wurde 316 in der römischen Provinz Pannonien im heutigen Ungarn geboren. Einer seiner Weggefährten war Sulpicius Severus, der 395 Martins Biographie verfasste und so dessen Leben und Taten in Wort und Schrift für die Nachwelt festgehalten hat.


Bereits im Alter von 10 Jahren wollte Martin sich Taufen lassen – damals war sein Vater in Italien stationiert und der junge Martin erstmals mit dem Christentum in Berührung gekommen. Aber als Sohn eines römischen Offiziers war er gesetzlich zum Militärdienst verpflichtet – so schlug er widerwillig die militärische Laufbahn ein und wurde zunächst römischer Soldat und später Gardeoffizier.  

Für einen römischen Offizier führte Martin ein eher untypisches Leben: Er stand den Kranken bei, half allen die in Not waren und lebte dabei selber sehr bescheiden. Als 18-jähriger Gardeoffizier kam er nach Frankreich und wurde vor den Toren der Stadt Amiens von einem Bettler um ein Almosen gebeten. Es war ein kalter Wintertag und der arme Mann war nur notdürftig bekleidet. Spontan teilte Martin mit dem Schwert seinen warmen Wintermantel um gab die eine Hälfte dem Bettler. Schon kurz darauf bat er um die Entlassung aus dem Armeedienst, was ihm aber lange Zeit verweigert wurde. Mit 36 Jahren ließ er sich taufen und wurde 4 Jahre später endlich aus dem Heerdienst entlassen. Er schloss sich als Schüler dem Bischof Hilarius an, der ihn zum Priester weihte.

Martin und die Gänse

Um 370 gründete Martin das erste Kloster in Gallien. Er half weiterhin vielen Menschen die in Not waren und dafür liebte ihn das Volk. Nach dem Tod des Bischofs Hilarius wählten sie ihn zu dessen Nachfolger. Der Legende nach wollte der bescheidene Martin die Wahl nicht annehmen und versteckte sich in einem Gänsestall – doch die Gänse verrieten ihn durch ihr Geschnatter und Martin wurde der dritte Bischof von Tours. Ja und die Gänse? Die müssen seither dafür „büßen“, dass sie Martin verraten haben und vielerorts ist das „Gänse essen“ zur Martinszeit heute eine beliebte Tradition.

Von der Totenerweckung über die Krankenheilung bis zur Beherrschung der Naturgewalten

Bereits zu seinen Lebzeiten wurde Martin zu einer Legende und es rankten sich um ihn Berichte über Wunder. Die Kirche zu jener Zeit kannte noch keine Heiligsprechung. Doch das Volk machte Martin durch seine Verehrung zum Heiligen und dieser Status verfestigte sich nach seinem Tod durch die Bildung von religiösen Zirkeln, in denen die Erinnerung an den hl. Martin aufrecht erhalten wurde. Er war der erste Heilige der kein Märtyrer war und seine Lebensbeschreibung ein Beispiel für ein vorbildhaftes Leben. Er starb im Alter von 81 Jahren und wurde am 11. November beigesetzt – der Legende nach begleiteten über 2.000 Menschen den Trauerzug.

Seit dem ist der 11. November sein Gedenktag. Wir verbinden St. Martin heute klassisch mit der Mantelteilung, Weckmännern, Fackel- oder Laternenumzügen und mal abgesehen von den Martinsgänsen, als Fest für die Kinder, die nach den Umzügen mit ihren Laternen von Haus zu Haus ziehen, singen und um Süßigkeiten bitten.

Das die Erinnerung an den hl. Martin nie an Kraft verloren hat liegt wohl auch an der Wahl seines Gedenktages. Früher begann am 11. November die 40-tägige Adventsfastenzeit, am Vorabend wurden Sommer und Herbst verabschiedet und man konnte die Ergebnisse der Ernte genießen. Auch am Niederrhein endete das bäuerliche Wirtschaftsjahr am Martinstag – außerdem war dieser Termin für den Gesindewechsel oder Pachtzahlungen seit jeher bedeutsam.

Tsint Märte et Betaale nait verjeäte

In Überlieferungen aus Grefrath-Oedt heißt es, dass der Hirte der die Gänse hütete, nach deren Austrieb am Martinstag, bei deren Besitzern seinen Lohn einforderte. „Tsint Märte et Betaale nait verjeäte.“ ("Am Martinstag das Bezahlen nicht vergessen.") sagte man in Kempen und im Raum Mönchengladbach gingen sogenannte „Mertenspennige“ bis 1246 an das Stift St. Gereon in Köln, danach an den Pastor.

Am Niederrhein findet man die unterschiedlichsten Martinsbräuche, auch wohl deshalb weil hier das Martinsgedächnis ohne Unterbrechung – zumindest bis zum Zweiten Weltkrieg – lebendig geblieben war. Von altersher gibt es hier Martinsfeuer und im Kreis Viersen, Mönchengladbach, Kempen und Krefeld war u.a. das „Kookschteäle“ (Kuchenstehlen) auch noch im 20. Jahrhundert ein fröhlicher Brauch: Nach dem Feuer gingen meist die größeren Kinder und Jugendlichen zu befreundeten Familien um „Buchweizenküchlein“ zu stehlen. In der Küche hatten die Hausfrauen ein kleines Fenster offen gelassen und es war nicht besonders schwierig mit einem Arm oder Stock an die bereit stehende Kuchenschüssel zu gelangen. Man durfte sich aber nicht erwischen lassen und manches mal machten sich auch die Hausfrauen einen Spaß und mogelten Küchlein unter, die aus ungenießbaren Zutaten gebacken wurden waren. Wer einen solchen Kuchen erwischt hatte, der hatte dann leider auch den Spott auf seiner Seite.

Gripschen oder Heischegänge

Kindergruppen die mit Fackeln oder Laternen nach dem Martinsfeuer von Tür zu Tür ziehen, singen und um Gaben heischen,haben am Niederrhein ebenfalls eine lange Tradition . Allerdings müssen es die Kinder und Jugendlichen irgendwann etwas übertrieben haben. 1869 ging in Viersen-Dülken der erste geordnete Martinszug am Niederrhein und kurz darauf entstanden die ersten St. Martinsvereine, in denen sich besonders die Lehrer engagierten. Im damaligen Kreis Kempen-Krefeld ist um 1900 der geordnete Martinszug mit St. Martin an der Spitze weit verbreitet und wurde nach und nach in allen anderen Orten am Niederrhein eingeführt. In der Regel zog man an der Schule los und kehrte nach dem Martinsfeuer auch dorthin wieder zurück und alle Kinder erhielten eine St. Martinstüte – gefüllt mit Nüssen, Äpfeln und anderen kleinen Leckereien. So wurde St. Martin – neben Nikolaus – auch zu einem Gabenbringer und „Kinderheiligen“.

Den Martinstag gibt es in ganz Europa. Der hl. Martin ist u.a. der Schutzheilige der Bettler, des Feuers, des Weines, der Kinder, der Pferde und Reiter, der Soldaten und der Wollweber.