Krefeld feiert 100 Jahre Joseph Beuys: Virtuelle Eröffnung am 28. März – Ausstellungen, Entdeckungstouren und vieles mehr in den kommenden Monaten

Die Frage des Geburtsortes von Joseph Beuys beantworten Museen auf den kleinen Hinweisschildern zu den Kunstwerken heute unterschiedlich: Einige nennen Krefeld, andere Kleve. „Ich bin Niederrheiner“, definierte Beuys in Klever Singsang einmal selbst seine Herkunft. Am 12. Mai wird es nun 100 Jahre her sein, dass einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts tatsächlich in Krefeld zur Welt kam – zufällig, wie Beuys in seinem biographischen „Notizzettel“ (1961) noch anmerkte. In seiner faktischen Geburtsstadt hinterließ Beuys seit Ende der 1940er- Jahre auf vielfältige Weise seine Spuren. Im Jubiläumsjahr können Besucher solche ab dem 28. März auch außerhalb der Museen entdecken. Die Krefelder Kulturinstitutionen haben dafür – als Teil des landesweiten Jubiläumsprogramms „Beuys100“ – Ausstellungen, Aktionen, Theater und mehr vorbereitet.

„Wir eröffnen das Beuys-Jahr in Krefeld aufgrund der Corona-Epidemie virtuell“, sagt die Kulturbeauftrage Dr. Gabriele König. In den Sozialen-Netzwerken der Stadt und ihrer Kulturinstitute wird es am Sonntag, 28. März, ganztägig kleine Events, Grußworte zur Eröffnung, einen virtuellen Ausstellungsrundgang durch das Kaiser- Wilhelm-Museum sowie Zeitzeugen-Interviews geben. „Die Geburt in Krefeld war rein zufällig“ – unter diesem Titel ist zudem in Zusammenarbeit mit „Kredo“ ein 52- seitiges Magazin mit Lesegeschichten über den Künstler, einem Stadtplan zu Beuys-Orten, mit einer Zeitleiste zu Beuys‘ Aktivitäten in Krefeld, Erinnerungen von Zeitzeugen und Veranstaltungshinweisen erschienen. „Es ist die kommunikative Klammer für das Beuys-Jahr“, sagt Claire Neidhardt, Leiterin des Stadtmarketings.

Die zentralen Anlaufpunkte im Krefelder Beuys-Jahr bilden die Kunstmuseen mit zwei großen Ausstellungen, der Sammlungspräsentation „Kunst= Mensch“ (ab 28. März) und der Ausstellung „Beuys & Duchamp. Künstler der Zukunft“ (ab 8. Oktober). Bereits Anfang des Jahres hatte die Inszenierung „Beuys‘ Küche“ am Theater Krefeld Mönchengladbach eine Online-Premiere, weitere Aufführungen sollen ab Mai folgen. Das Kresch-Theater, Krefelder Schauspiel für Kinder und Jugendliche, sendet die Online-Premiere „Coolbeuys – oder wo ist Joseph“ am Sonntag, 21. März, um 19 Uhr live und kostenfrei im Internet. Das Museum Burg Linn widmet sich in einer kleinen Ausstellung dem Thema „Beuys und Musik“ sowie der Freundschaft zum Dichter und Schriftsteller Rainer Lynen aus Krefeld. Das Seidenweberhaus wird im Juli als „Silk City Gallery – Gesellschaft formen durch Gestalten“ zu einer großen Leinwand: 30 lokale und internationale Street-Art- Künstler werden dort kreativ. Unter der Überschrift „Beuys & Bike“ verknüpft eine eigens entwickelte Radroute in NRW Orte, die in Beuys‘ Leben und Wirken eine wichtige Rolle gespielt haben. Mit der kostenlosen „Yona-App“ können sich Krefelder und Besucher ab 28. März auf eine zehnteilige Entdeckertour begeben mit spannenden Informationen, Video-, Text-, und Audiomaterial über sein Leben.

Das Programm, alle Veranstaltungen sowie durch Corona bedingte Änderungen stehen unter www.krefeld.de/beuys2021.

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Das Land Nordrhein-Westfalen feiert 2021 den 100. Geburtstag von Joseph Beuys

Rund 20 Museen und Kulturinstitutionen des Landes widmen sich 2021 dem im Rheinland geborenen Künstler

 

Joseph Beuys gehört zu den weltweit bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Heute vor 34 Jahren ist er gestorben, doch seine Ideen sind hochaktuell. Sein 100. Geburtstag im Jahr 2021 bietet Anlass für rund 20 Museen und Kulturinstitutionen des Landes Nordrhein-Westfalen, den im Rheinland geborenen Künstler, sein komplexes Wirken und seine internationale Ausstrahlung zu würdigen, neu zu entdecken und kritisch zu befragen. »beuys 2021. 100 jahre joseph beuys« ist ein Projekt des Ministeri- ums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Heinrich- Heine-Universität Düsseldorf als Träger. Schirmherr des Jubiläumsjahres ist Ministerpräsident Armin Laschet.

»Joseph Beuys hat von Nordrhein-Westfalen aus weltweit Kunstgeschichte geschrieben. Er zählt zu den bekanntesten Kunstschaffenden Deutschlands und hat als Bildhauer, Aktionskünstler und Zeichner den Kunstbegriff revolutioniert. Der 100. Geburtstag von Joseph Beuys ist ein hervorragender Anlass, um zurückzublicken auf einen einflussreichen Künstler, der begeistert und inspiriert, der hinterfragt und zum Nachdenken anregt, der Kunst unabdingbar mit dem Leben, mit der Philosophie und Wissenschaft verbunden hat. Mit ›beuys 2021‹ wollen wir den ›Mann mit dem Filzhut‹ und sein Werk würdigen, ihn neu entdecken und seine Denkanstöße in die heutige Zeit übersetzen«, so Schirmherr Ministerpräsident Armin Laschet.

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft: »Joseph Beuys hat mit einem progressi- ven Kunstbegriff und seinen Ideen von Demokratie und Freiheit etwas riskiert und bewegt. Seine Impulse beeinflussen bis heute den künstlerischen und gesellschaftlichen Diskurs. Zu Beuys’ 100. Geburtstag werden wir seinem komplexen Werk in zahlreichen ihm gewidmeten Ausstellungen, Veranstaltungen und Projekten nachspüren, um es aus heutiger Sicht neu zu befragen.«

Prof. Dr. Anja Steinbeck, Rektorin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: »Der Anspruch von Joseph Beuys, Kunst und Leben zu verbinden, ist bis heute beeindruckend. Sein Denken und Arbeiten war ge- prägt von einer interdisziplinären Haltung, die alle Bereiche der Wissenschaft einbezogen hat. Dieser Idee fühlt sich die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf als Bürgeruniversität eng verbunden.«

 

Das Jubiläumsprogramm »beuys 2021. 100 jahre joseph beuys«

Eine Vielzahl von Ausstellungen, Aktionen und Performances, Theater-, Musik- und Lehrveranstaltungen erkunden über das Jahr 2021 hinweg die faszinierenden wie umstrittenen Ideen einer der weltweit ein- flussreichsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland werden dazu eingeladen, die Bedeutung von Beuys für die gegenwärtige internationale Kunst wie für die Gesellschaft zu ergründen und über die brennenden Fragen unserer Zeit zu diskutieren: wie Demokratie und Freiheit zu verstehen sind, wie sich Wirtschaft und Umwelt bedingen oder wie das Verhältnis von Politik und Kunst heute aussehen kann.«

Künstlerische Leitung des Projekts »beuys 2021«

Das Projekt »beuys 2021« wird von Prof. Dr. Eugen Blume und Dr. Catherine Nichols geleitet und ist bei Prof. Dr. Timo Skrandies am Institut für Kunstgeschichte der HHU angesiedelt. Projektmitarbeiterinnen sind Anne-Marie Franz und Inga Nake.
Eugen Blume ist Kurator der Sammlung Marx in Berlin sowie Honorarprofessor an der Kunsthochschule in Braunschweig. Bis 2016 war er Leiter der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegen- wart – Berlin. Catherine Nichols ist Kunst- und Literaturwissenschaftlerin, Kuratorin und Autorin. Sie promovierte 2001 an der University of New South Wales in Sydney. Sie hat eine Vielzahl von kunst- und kulturhistorischen Ausstellungen kuratiert, zuletzt »Shine on Me. Wir und die Sonne« (2018) für das Deut- sche Hygiene-Museum in Dresden.

Gemeinsam haben Eugen Blume und Catherine Nichols zahlreiche Ausstellungen realisiert, darunter mehrere zu Joseph Beuys. 2008 kuratierten sie die umfassende Retrospektive »Beuys. Die Revolution sind wir« in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. 2013 folgte »Das Ende des 20. Jahrhunderts. The Best is Yet to Come«, die vom gleichnamigen Werk von Beuys ausgehend sich mit Topoi der Zukunft befasste. Anlässlich des 2014 vom Sammler Erich Marx erworbe- nen und der Nationalgalerie als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellten Schlüsselwerks »DAS KAPITAL RAUM 1970–1977« von Beuys präsentierten sie 2016 die experimentelle Annäherung »Das Kapital. Schuld – Territorium – Utopie«, die das erweiterte Denken in den Mittelpunkt stellte. Im Rahmen des Jubiläumsprogramms »beuys 2021« erarbeiten sie mit Isabelle Malz für die Kunstsammlung Nordrhein- Westfalen die Ausstellung »Jeder Mensch ist ein Künstler«, die sich auf die universellen und kosmopoliti- schen Konzepte und Fragen im Werk von Beuys konzentriert.

Alle Informationen unter: www.beuys2021.de