< FAHREN NACH ZAHLEN – HERRENSITZ-ROUTE AN MAAS UND NIERS
Ausgabe 01/10

WAS MACHT EIGENTLICH DER ENTDECKER DES WUNDERSCHÖNEN NRW?

Fast jeder im Sendegebiet des WDR kennt ihn: Bernd Müller, der jahrelang mit seinem roten Bugatti unterwegs war, um für seine Zuschauer die schönen Ecken des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen zu erkunden. Mittlerweile sind er und der rote Bugatti seit über zwei Jahren im Ruhestand und der Oldtimer wird nur noch für gelegentliche Sonntagsfahrten aus der Garage geholt. Eigentlich könnte sich Bernd Müller mit seinen nunmehr 70 Lenzen heute ebenfalls entspannt zurücklehnen, und es etwas ruhiger angehen lassen. Aber von Ruhe ist bei ihm vorerst noch nicht die Rede.


Bernd Müller sucht und findet immer noch neue journalistische Projekte. So moderierte er in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Landestheater in Neuss eine Talkreihe mit dem Motto: “Ich habe einen Traum vom .... Leben“. Dabei suchte er sich Ge­sprächs­teilnehmer aus unterschiedlichsten Wissens- und Erfahrungswelten. Bei der ersten Veranstaltung der Reihe ging es um das Thema „besser leben.“ Zusammen mit einem Architekten, einem Psychologen und einer Managerin aus der Wasserwirt­schaft wurde diskutiert, was Lebensqualität ausmacht. Im Teil zwei wurde der Aspekt „länger leben“ beleuchtet mit einem Chirurgen, einem Anthropologen und dem Arzt eines Sterbehospizes. Schließlich ging es im letzten Teil der Trilogie um das Thema „ewig leben“. Mit dabei waren ein katholischer Theologieprofessor, eine Muslimin, die zum Buddhismus konvertiert ist und eine Gestalterin von Totenmasken.

Heimat Niederrhein

Neben seiner journalistischen Arbeit widmet sich Bernd Müller heute naturgemäß mehr als früher seinen Hobbys. Dazu gehört sein denkmalgeschütztes Haus im Schatten des Neusser Münsters, das er seit über 10 Jahren bewohnt. Außerdem ist Bernd Müller aktives Mitglied im Neusser Ruderverein und auch ambitio­nierter Nutzer eines Fitness Centers in seiner Nachbarschaft.

Bernd Müller im Einsatz

Zu Bernd Müllers Hobbys zählt aber auch die intensive Auseinandersetzung mit sei­ner engeren Heimat, dem Niederrhein. Schließlich ist er ein überzeugter Neusser. Zusammen mit seiner Tochter hat er ein Hörbuch mit dem Titel „Wunderschöner Nie­derrhein“ herausgegeben. Mit angenehmer Radiostimme und leicht rheinischem Zun­genschlag führt Müller seine Zuhörer mit einem verschmitzten Lächeln von Zons bis Emmerich, von Straelen bis Kranenburg, vom Rhein bis zur Maas. Nach der ersten Auflage mit 25 besprochenen Städten ist jetzt eine Fortsetzung geplant.

Sehenswürdigkeiten, Kunstschätze und Eigentümlichkeiten

Bernd Müller gehörte als Journalist zu den „Urgesteinen“ des Westdeutschen Rund­funks: Über 35 Jahre lang hat er in unterschiedlichen Positionen für den Fernseh­sender gearbeitet. Er war Reporter für Landespolitik, Chef von „Hier und Heute“, Leiter der Abteilung Aktuelles. Er hat die Talkreihe „Mittwochs live“ mit fast 500 Sen­dungen moderiert. Den größten Publikumserfolg landete er aber sicher mit seinen Entdeckungsreisen in Nordrhein-Westfalen. Die Sendereihe „wunderschönes NRW“ blieb über acht Jahre lang fester Programm­bestandteil des WDR und hatte eine treue Zuschauer­gemeinde. Bis zu achtmal im Jahr ging Bernd Müller mit seinem Fahrer Heinrich Zweiffel (dem Besitzer des Bugatti) auf Tour. Die Regionen wurden jeweils vorgestellt mit ihren Eigentümlichkeiten, ihrer besonderen Küche, ihren Kunstschät­zen und ihren touristischen Sehenswürdigkeiten. Neben schönen Bildern von Land­schaften und Städten ging es dabei aber auch immer um Gespräche mit Menschen, die besondere Geschichten zu erzählen hatten – so z.B. die Ziegenbäuerin aus Füchtorf, der Herbergsvater der Burg Bilstein oder der Taubenzüchter aus Es­sen. Zu der Sendereihe gibt es inzwischen verschiedene Bücher, die zum Nachle­sen, Nachentdecken der Sehenswürdigkeiten und zum Genießen der regionalen Gaumenfreuden einladen.

Wunderschönes NRW - Bernd Müller auf Tour in seinem Bugatti

Der „Bugatti“, ein moderner Nachbau mit VW-Motor kam übrigens nur durch Zufall als Requisit in die Sendung: Bernd Müller beauftragte 1999 vor der ersten Sendung das Regional­studio in Aachen mit der Suche nach einem geeigneten Fahrzeug. Der erste Vorschlag, eine Kutsche, fiel bei ihm durch, da zu altertümlich. Der danach ins Spiel gebrachte Oldtimer, ein Ford aus den 30er Jahren, fand ebenfalls keine Gnade, da er als geschlossenes Fahrzeug fernsehtechnisch schlecht geeignet war. Aber glücklicher­weise hatte dessen Besitzer auch noch den „Bugatti“ in der Garage stehen.

 

So fing es an

Geboren wurde Bernd Müller 1940, wie er mit einem Augenzwinkern feststellt, auf der „falschen Rheinseite“ - in Düsseldorf. Das war jedoch eher ein Zufall, weil in Neuss damals alle Entbindungsstationen überbelegt waren. Aufgewachsen ist er da­nach zusammen mit seiner älteren Schwester jedenfalls in Neuss. Als Kind hat es ihn aber mächtig gewurmt, dass seine Klassenkameraden ihn manchmal mit dem Spruch hänselten „du bist kein Nüsser“.

Später hat sich das aber etwas relativiert, da er seinen Wohnort berufsbedingt nach Ratingen verlegte. Nach dem Tod seiner Frau, mit der er zwei Kinder hat, zog es ihn jedoch wieder zurück nach Neuss. Hier bewohnt er ein denkmal­geschütztes Haus in der Innenstadt.

Dass er Journalist werden würde, hat für Bernd Müller keineswegs von Beginn an festgestanden. Seine sicherheitsbewussten Eltern legten vielmehr Wert darauf, dass er etwas Ordentliches, sprich Lehrer werden sollte. Sein Deutsch- und Geschichts­studium hat Bernd Müller dann immerhin bis zum ersten Staatsexamen durchge­hal­ten. Doch schon damals hat er begonnen, für die „Neuss-Grevenbroicher Zeitung“ zu schreiben, um sich das Geld fürs Studium zu verdienen. Ein Praktikum bei der Deut­schen Welle stellte später die Weichen für die Arbeit am Mikrofon. Nach einem Ab­stecher zu einer PR-Agentur landete Bernd Müller 1972 beim WDR, den er für den Rest seines Berufslebens nicht mehr verließ.

„Eigentlich bin ich nur als Faulheit zum Fernsehen gegangen“, gesteht Bernd Müller heute. „Ich dachte, da muss man nicht lesen und nicht schreiben können. Man muss nur gut aussehen“. Gutes Aussehen schadete sicher nicht, aber mit einer Lese- und Schreibschwäche hätte Bernd Müller vermutlich auf Dauer keine Chance gehabt.

[ NiederRhein Edition 01/2010 | Text: Dr. Wolfgang Stoll |  Bilder: Bernd Müller ]