Das Magazin für Kultur und Lebensart am Niederrhein

Kultureller Neubeginn nach 1945

Ausstellungen,

Am Beispiel einer niederrheinischen (kleinen) Großstadt. Bereits im Herbst 1945 gründeten Hanns Dieter Hüsch, sein Freund Theo van Alst und eine Gruppe Gleichgesinnter in Moers das Studio 45, eine lockere Vereinigung aller schwarzen Schafe aus Moers. Sie spielten Theater, veranstalteten Lyrikabende. Den Moersern war der Club allerdings suspekt. Auch die Sozialistische Bildungsgemeinschaft Moers und die Sozialistische Jugend Die Falken, Kreisverband Moers, versuchten frischen Wind in die Moerser Kulturszene zu bringen. Besonders der Falken-Sekretär Werner Röhrich (später Landrat im Kreis Wesel) war umtriebig: Er holte die Schauspielerin und Sängerin Gisela May nach Moers – ihr erster Auftritt außerhalb der DDR – und engagierte sich für ein alternatives Programmkino. Um ihn scharte sich die Moerser „Avantgarde“.

Zu dieser Gruppe gehörte auch der theaterbegeisterte Holk Freytag, der schon seit 1964 in Neukirchen-Vluyn die Laienspielgruppe Die Rampe anleitete. Die Sozialistische Bildungsgemeinschaft Moers und Die Falken legten im Juli 1969 dem Kulturausschuss einen kühnen Plan vor: den „3-Stufen-Plan zur Errichtung eines festen Theaterbetriebes“. „Um das Moerser Publikum an eine eigenständige Theaterproduktion zu gewöhnen“, sollte zunächst mit der Errichtung eines Schultheaters begonnen werden. Als Stufe zwei sollte ein Freilichttheater – die Moerser Schlosshofspiele – folgen.

Die dritte Stufe sollte die Errichtung einer Zweigstelle des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel in Moers sein – der feste Theaterbetrieb. Der deutsche Michel als überdimensionaler Gartenzwerg – schon das Bühnenbild des Premierenstückes „Ratcliff rechnet ab“ verriet, dass es im 1975 neu gegründeten Schlosstheater Moers politisch, kritisch und komisch zugehen sollte. Dafür stand nicht zuletzt der Gründungsintendant Holk Freytag. Drei Jahre zuvor gelang es Jazz-Enthusiasten um Burkhardt Hennen, ein Internationales New Jazz Festival in Moers zu etablieren, das die Stadt über alle Grenzen hinaus bekannt machte. Die Ausstellung wurde in Kooperation mit dem Verein Neue Geschichte im Alten Landratsamt und dem Grafschafter Museum entwickelt. Sie zeichnet exemplarisch den kulturellen Neubeginn nach 1945 in einer niederrheinischen (kleinen) Großstadt nach.

Termine

  • 28.12.2019 - 01.06.2020

Veranstaltungsort

Grafschafter Museum im Alten Landratsamt
Kastell 5
47441 Moers