Jenseits der Kopfweiden – Sprache und Literatur am Niederrhein

Diese Erde ist für Spaziergänger da ... Für Spaziergänger, ich meine: langsam, ohne Ziel Wandernde. Man wird hier nicht müde. Die Rast ist in der Wanderung eingeschlossen. Das versöhnlich-sanfte Leuchten der Natur und das zarte rosa und weiße Licht der Blüten beruhigen, machen friedlich, die weiche Erde trägt den Fuß, die Landschaft kommt dem Wanderer entgegen, der Weg bietet sich ihm dar, die Straße führt ihn selbsttätig. Immer ist über seinem Haupt der melodische Lärm der unsichtbaren Lerchen wie ein Baldachin aus Gesang. Die Landschaft ist gut, sanft, freudig und von Wundern voll, die nicht erschrecken. Es ist eine pfingstliche Landschaft.



Joseph Roth
»Kleve, Xanten, Kalkar«


…Der Niederrhein ist in Wirklichkeit nicht nur geographisch gesehen europäisches Kernland. Paul Eßer legt eine Sprach- und Literaturgeschichte vor, die auf instruktive und anregende Weise einen Einblick in das kulturelle Leben dieser Region bietet, die bisher eben auch literarhistorisch als Randgebiet galt und entsprechend vernachlässigt wurde. Der Autor zeichnet das facettenreiche Bild einer Landschaft, die mit namhaften Autoren wie Albert Vigoleis Thelen und Dieter Wellershoff sowie Kabarett- und Comic-Künstlern vom Rang eines Hanns Dieter Hüsch und eines Walter Moers auf sich aufmerksam macht. Eßer reißt den von Kopfweidenklischees und Provinzdiffamierung verstellten Horizont auf und entwirft das kulturelle Panorama einer Region, die sich einmal Moyland (kelt. »Schönland«) nannte…


Jenseits der Kopfweiden von Paul Eßer und mit 5 Holzschnitten von Künstler Cyrus Overbeck ist im GRUPELLO Verlag erschienen. ISBN 3-933749-83-2, 16,80 €