Das Heiligenhaus

Das Heiligenhaus in Kalkar-Kehrum ist nur eines von vielen die Frank Thon und Becker Schmitz dokumentiert haben. Foto: Frank Thon

Der Künstler Becker Schmitz und der Fotograf Frank Thon präsentieren verborgene Schätze am Wegesrand.

Sie sind überall zu finden, wo der katholische Glaube verwurzelt ist. An Alleen, Gehöften, Weggabelungen. Und doch bleiben sie im Alltag oft unter der Wahrnehmungsschwelle: Heiligenhäuschen und Bilderstöcke haben eine Bedeutung für die Menschen aus der unmittelbaren Umgebung. Dass es sie gibt, das weiß so ziemlich jeder. Aber tatsächlich weiß beinahe niemand, wie viele es wirklich sind.

Der Fotograf Frank Thon (31) aus Uedem hat sich aufgemacht, sie fotografisch festzuhalten und zu dokumentieren. Zusammen mit dem Moerser Künstler Becker Schmitz (40) will er zunächst für den Kreis Kleve nicht nur möglichst viele Standorte auf einer Landkarte darstellen und dokumentarisch im Bild festhalten, sondern später auch die kleinen Bauwerke mit Lichtprojektionen zu „strahlenden Kunstwerken in der Landschaft“ machen. „Eigentlich hatten wir uns vorgenommen zunächst mit einer Ausstellung zu starten. Die Fotografien sollten dabei gemeinsam mit den Lichtprojektionen im Vordergrund stehen“, so Thon über das Projekt. „Daraus wird wohl leider vorerst nichts“, ergänzt Becker Schmitz. „Genau deshalb haben wir uns gedacht: Wenn wir schon so viele Standorte gesammelt haben und die Menschen derzeit ohnehin das Bedürfnis danach haben, die Welt vor ihrer Haustüre zu entdecken: Warum dann nicht einfach die Karte veröffentlichen und damit zeigen, dass Kunst und Kultur auch in diesen Zeiten noch wahrgenommen werden können?“, erklärt er weiter. Pünktlich zum Frühlingsanfang haben die beiden nun eine Wanderkarte mit über 60 Heiligenhäuschen im Kreis Kleve veröffentlicht. die unter www.das-heiligenhaus.de  abgerufen werden kann.

Wie es begann

Thon und Becker Schmitz führten Anfang 2020 Gespräche über zeitgenössische Fotografie und Kunst im Allgemeinen: „Dabei thematisierten wir die Schönheit der neuen deutschen Sachlichkeit, zu der Frank Thon mehr und mehr eine Beziehung aufgebaut hat,“ meint der bildende Künstler. Von Fotografien der Solinger Fachwerkhäuser ging eine Faszination und zeitlose Schönheit aus, die jenseits der flüchtigen Handyfotografie und der Ästhetik von Plattformen wie Instagram oder Ähnlichem liegt.
Dabei kam der Gedanke auf, diesem Zeitgeist etwas entgegen zu setzen. „Es entwickelte sich ein künstlerisches Forschungsprojekt, das auf die Suche nach einem Motiv gehen sollte, das etwas Unscheinbares in sich trägt. Ein Motiv, das sich außerhalb der stereotypen Bildsprache von Instagram und Co. bewegt. Die Suche führte zu uns selbst und in unsere gemeinsame Heimat – den Niederrhein,“ erinnert sich Frank Thon.

Die Heiligenhäuschen sind ein regionales Phänomen und Kristallisationsfläche für Tradition sowie Bühne für ein aktives Gemeindeleben.

Heiligenhäuschen sind Symbole für Beständigkeit und ein Miteinander, das über das Brauchtum und Liturgie hinausgeht, und die zum Teil Jahr-hunderte überdauerten. „Wie verborgene Schätze begegnen sie uns im Wald oder am Wegesrand. Sie mahnen, erinnern oder bestärken,“ erklären Thon und Becker Schmitz. Welches Ausmaß diese Tradition hat, wird erst durch die dokumentarische Fotoarbeit von Frank Thon deutlich. Das Unscheinbare wird Allgegenwärtig.

Pünktlich zum Frühlingsanfang haben Thon und Becker Schmitz nun eine Wanderkarte mit über 60 Heiligenhäuschen im Kreis Kleve veröffentlicht, die ab sofort online abgerufen werden kann auf: www.das-heiligenhaus.de

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