Halloween? Süßes oder Saures? Hauptsache Kürbis!

Mein Mann, der hat das inzwischen drauf. Wohlweislich kauft er bereits Mitte Oktober Süßigkeiten ein, die wir sonst nie im Haus haben. Stolz werden sie präsentiert und ich frage dann: „Wofür sind denn die ganzen Süßigkeiten – Sankt Martin ist doch erst nächsten Monat?“ und er antwortet dann: „Ja, aber vorher ist Halloween und ich möchte dann nicht mit leeren Händen dastehen, wenn die Kinder klingeln.“ Ich verdrehe dann meist die Augen, brummele dabei irgendwas von „neumodischer Kram“ und das ich hoffe, dass er auch an sein Kostüm gedacht hat und vergesse nicht klarzustellen, dass ich nicht an die Tür gehen werde. Er sagt dann meist „Ja, ja, ich weiß“, grinst und sucht schon mal Schüsseln zusammen, um den Berg an Süßigkram zu drapieren.

So läuft es, beinahe rituell, inzwischen jedes Jahr ab – ein bisschen wie der 90zigste Geburtstag von Miss Sophie und Butler James. Und, wenn es dann am 31. Oktober abends das erste Mal klingelt, dann geht das Spiel weiter. Getreu dem Motto »Same procedure as every year« schaue ich ganz irritiert und frage „Wer ist das denn jetzt?“, während der Mann glückselig zur Haustür rennt, sich mit Bonsche, Lollis & Co. bewaffnet und von Mini-Zombies, Geistern, Hexen und Co. anschreien lässt.  „Süßes oder Saures!“ schallt es durchs Haus, während ich mich dazugeselle und beobachte, wie das „große Kind“ neben mir ganz erschrocken tut und sich mit den kleinen Gruselgestalten freut. Zugegeben, daran habe auch ich meinen Spaß – auch wenn ich mich mit diesem "Halloween" irgendwie nicht recht anfreunden kann.

Halloween: Wo kommt dieser Brauch überhaupt her und überhaupt – was soll das?

Ausnahmsweise ist es mal keine Erfindung der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der Hollywood-Filmfabrik oder der Floristen. Und auch wenn der Trend über den großen Teich zu uns rüber geschwappt ist, so liegt der Ursprung nicht in den USA. Ob es ein christlicher oder doch eher keltisch-heidnischer Brauch ist, darüber diskutieren die Gelehrten kontrovers. Fakt ist, dass Halloween ursprünglich nur in katholischen Gebieten der britischen Inseln gefeiert wurde, besonders in Irland. Und erst mit den irischen Auswanderern im 19. Jahrhundert kam der Brauch dann auch nach Nordamerika, wo er schon bald auch von anderer Einwanderern übernommen und verbreitet wurde. In den USA und Kanada zählt Halloween heute, neben „Thanksgiving“ (Erntedank) zu einem der wichtigsten Volksfeste.

Aus Rübe wird Kürbis

Der Kürbis ist wohl das bekannteste Symbol und der beliebteste Deko-Artikel für Halloween. Auch er entstammt den irischen Überlieferungen. Wenngleich der Kürbis nicht immer ein Kürbis war. Vor langer Zeit lebte in Irland ein Hufschmied namens Jack Oldfield*. Am Abend vor Allerheiligen saß der geizige und trunksüchtige Jack in einer Kneipe, als plötzlich der Teufel neben ihm stand, um ihn zu holen. Jack gab sich einverstanden, wenn der Teufel ihm einen letzten Drink spendieren würde. Der Teufel hatte nichts dagegen, stellte aber fest, dass er kein Geld zur Hand hatte. Also verwandelte er sich einfach selbst in eine Sixpence-Münze, um den Jacks Drink bezahlen zu können. Jack, das Schlitzohr, steckte den Teufel in Münzgestalt blitzschnell in seinen Geldbeutel und verschloss ihn fest. Und weil er im Geldbeutel ein silbernes Kreuz bei sich trug, konnte der Teufel sich nicht zurückverwandeln. Erst als der Teufel versprach, dass Jacks Seele noch zehn Jahre frei sein solle, ließ dieser in wieder raus.

Als die zehn Jahre um waren, kehrte der Teufel in der Nacht vor Allerheiligen wie vereinbart zurück. Jack bat ihn erneut um einen letzten Gefallen: Seine Henkersmahlzeit solle ein Apfel sein und der Teufel solle ihm den bitte pflücken. Der Teufel willigte ein und während er für Jack auf einen Apfelbaum kletterte, zog dieser sein Messer und schnitzte ein Kreuz in die Rinde des Baumes; somit war der Teufel auf dem Baum gefangen. Jack handelte abermals mit dem Teufel und entfernte das Kreuz erst, als der Teufel versprach, Jacks Seele bis in alle Ewigkeit in Ruhe zu lassen.

Wie fatal dieser Handel war, erfuhr Jack erst nach seinem Tod. Als er im Himmel um Einlass bat, da wurde er abgewiesen und auch am Höllentor erging es ihm nicht besser. Der Teufel hatte schließlich versprochen, niemals Jacks Seele zu holen. Also verweigerte er Jack den Zutritt in die Hölle. Weil es aber so dunkel, kalt und windig war, gab er Jack eine glühende Kohle aus dem Höllenfeuer, die dieser in seine Laterne – eine ausgehöhlte Rübe – legte. Seither wandelt die verdammte Seele von Jack Oldfield am Vorabend von Allerheiligen mit seiner Laterne durch die Dunkelheit.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde aus der Rübe ein Kürbis. Und deshalb werden uns auch hierzulande in den nächsten Wochen verstärkt beleuchtete Kürbisfratzen angrinsen und dabei helfen, den Teufel und andere böse Geister oder Seelen zu verscheuchen. Schaden kann`s ja nicht. Und Kürbisse bieten sich zudem an, aus ihnen sehr leckere und gesunde Köstlichkeiten zu zaubern. Schaut euch unsere Kürbis-Rezepte an!

*auch Jack  O’Lantern ( Jack mit der Laterne)

Wie wäre es mit…

Text: Sonja Raimann | NiederRhein Edition Magazin, 2020

Ja, hiermit bestätige ich, dass ich 

die Datenschutzerklärung gelesen habe und dieser zustimme. 

Der Newsletter der NiederRhein Edition ist kostenfrei und Sie können diesen jederzeit abbestellen. Mit *-gekennzeichnete Felder sind Pflichtangabe.