Hus in de leiv Sün

Heute geht es in den Hardter Wald nach Mönchengladbach. Wie ich erfahren habe, ist er mit 450 Hektar das größte zusammenhängende Waldgebiet in der Stadt. Kaum vorstellbar, dass das Areal vor mehr als 200 Jahren ein Ödland mit Büschen und Heideflächen gewesen sein soll. Heute ist der Hardter Wald ein Mischwald, bestehend aus Laub- und Nadelbäumen und Teil des Naturparks Schwalm-Nette. Für viele ist das grüne Refugium beliebter Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen, Radtouren oder Spaziergänge. Ich bin heute allerdings einer Einladung in das Wilhelm Kliewer Haus, dem Gäste- und Tagungshaus der Neue Arbeit Integrations gGmbH, gefolgt.  Es liegt mitten im Naherholungsgebiet Hardter Wald und dort werde ich bereits von Pia Gehrmann-Puffer erwartet.

„Hallo, schön, dass Sie da sind!“, begrüßt mich die quirlige Frau an der Rezeption, die, wie ich bereits weiß, seit sechs Jahren die Hausleitung des Wilhelm Kliewer Haus innehat. „Möchten Sie erst etwas trinken oder wollen wir direkt mit der Führung beginnen?“

Da ich schon ziemlich gespannt bin, starten wir gleich mit der Führung. Schon beim Betreten des Hauses sind mir die hohen und zahlreichen Fenster aufgefallen. Das einfallende Tageslicht durchflutet den Empfangsbereich und die Cafeteria, was den Räumlichkeiten eine gewisse Weite und Leichtigkeit verleiht.

Hell, frisch und modern kommen auch die Zimmer daher, die mir Pia Gehrmann-Puffer nun zeigt: „Wir haben insgesamt 40 Zimmer und 6 Veranstaltungsräume im Wilhelm Kliewer Haus. Es gibt Einzel-, Doppel- sowie Gruppen- bzw. Mehrbettzimmer, letztere werden auch gerne als Familienzimmer gebucht.“ Alle Zimmer sind funktional, aber geschmackvoll eingerichtet. Alle haben ein eigenes Bad, sind barrierearm zugänglich und mit einem TV sowie WLAN ausgestattet. Zu den Übernachtungsgästen im Wilhelm Kliewer Haus zählen in erster Linie Gruppenreisende wie beispielsweise Schulklassen, aber auch Alleinreisende. Wie sich zeigt, sind die Übernachtungsmöglichkeiten auch ideal für Gäste mit Mobilitätseinschränkungen.

Nicht nur, dass das Wilhelm Kliewer Haus barrierefrei zugänglich sowie geräumig ausgebaut ist – es bietet zusätzlich Zimmer, in denen man sich mit dem Rollstuhl oder Rollator bequem bewegen kann. Die Bäder sind ebenfalls geräumig und verfügen über eine behindertengerechte Badausstattung. „Zu unseren Kunden gehören außerdem Unternehmen, Institutionen und Verbände, die unsere Seminarräume regelmäßig für Schulungen, Workshops oder Tagungen nutzen. Je nachdem von woher die Teilnehmer anreisen, buchen sie für diese auch gleich die Übernachtung bei uns mit,“ erklärt mir Pia Gehrmann-Puffer. Sie öffnet eine große Tür und wir betreten einen der multifunktionalen Veranstaltungsräume im Erdgeschoss des Wilhelm Kliewer Haus. Wieder erwartet mich ein lichtdurchfluteter Raum mit großen Fenstern und einem wunderbaren Ausblick ins Grüne.

„Egal, ob es eine Konferenz mit 80 Teilnehmern ist oder ein Workshop im kleinen Kreis ab fünf Personen. Unsere Gäste können bei uns zwischen sechs modernen Räumen in verschiedenen Größen und für verschiedene Anforderungen wählen. Alle bieten moderne professionelle Technik wie Whiteboard, Beamer, Audioanlage, TV, Flipchart und Moderatorenkoffer. Hier sind wir jetzt in einem unserer teilbaren Veranstaltungsräume, die, wie unsere anderen Räume, gerne auch für Familienfeiern wie Jubiläen, Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern gebucht werden,“ erzählt Pia Gehrmann-Puffer, die mir im Anschluss eigentlich auch noch die anderen Veranstaltungsräume im Haupthaus zeigen wollte. Allerdings sind diese heute belegt. Das DRK ist im Haus sowie eine Gruppe von Polizeibeamten, die hier eine Fortbildung absolvieren. Deshalb verlassen wir nun das Haupthaus und die Führung geht auf dem Außengelände weiter.

Das gesamte Areal im Hardter Wald auf dem sich das Tagungs- und Gästehaus befindet umfasst 13.000 qm. Ein wirklich weitläufiges Freizeitgelände mit Fußballplatz, Kletterturm, Hoch- und Niedrigseilparcours, Grillplatz, Feuerstelle sowie Wohnmobilstellplätzen. „Der Kletterturm sowie der mobile Kletterwald, also der Hoch- und Niedrigseilparcours, wird von unserem Kooperationspartner Hoch3 betrieben. Hoch3 bietet erlebnispädagogische Aktivitäten an, die Gruppen wie Schulklassen oder Seminarnanbieter als Modul zu ihrem Aufenthalt bei uns gerne dazu buchen,“ erzählt Pia Gehrmann-Puffer während wir über das Gelände spazieren.

Dann sind wir an der Tagungsbox, einem weiteren Veranstaltungsraum unweit des Haupthauses angekommen. Die Tagungsbox ist voll ausgestattet mit einer kleinen Serviceküche für das Catering, Toiletten und einem, wie könnte es anders sein, tageslichtdurchfluteten Raum mit eigener großer Terrasse. „Ja, unsere Tagungsbox ist sehr beliebt, besonders für Feierlichkeiten,“ grinst Pia Gehrmann-Puffer, als sie meinen verzückten Gesichtsausdruck wahrnimmt. Dann sieht sie auf die Uhr und sagt: „Oh, ich glaube wir sollten jetzt mal zur Villa rüber gehen. Wenn alles passt, dann habe ich da vielleicht gleich noch eine Überraschung für Sie.“

Na dann, auf zur Villa. Die liegt nur einen Steinwurf entfernt. Bei dem zweistöckigen Gebäude handelt es sich um die „Villa“ von Wilhelm Kliewer. Der langjährige Beigeordnete und Referent für Wohlfahrts- und Sozialwesen der Stadt Mönchengladbach ließ das Haus als Wochenendhaus um 1922 erbauen und ermöglichte zu jener Zeit Mönchengladbacher Kindern der Arbeiterschicht Urlaub im Grünen. Heute würde man das wohl Stadtrand-Erholung nennen. Alles in allem erfahre ich, haben das Haus und das Gelände eine bewegte Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die „Villa“ unter anderem als Schule für die evangelischen Volksschulkinder von Hardt. Mit Wilhelm Kliewers Tod gingen Haus und Gelände in Erbpacht an die Stadt Mönchengladbach über, die als Träger hier ein Naherholungsheim für Kinder und Frauen betrieb. 2001 übernahm dann die Neue Arbeit Integration und baute das bereits bestehende Naherholungsheim in mehreren Schritten zu einer modernen Begegnungsstätte aus und um. Im Erdgeschoss der Villa befindet sich heute ein weiterer großer, wunderschöner und heller Seminar- bzw. Veranstaltungsraum im architektonischen Charme der 1920er Jahre.

Als wir wieder im Eingangsbereich der Villa angekommen sind, schaut Pia Gehrmann-Puffer erneut auf die Uhr und fragt, ob ich die Inschrift über dem Eingangsportal gesehen hätte. „Die Inschrift lautet ‚Hus in de leiv Sün‘ und heißt ‚Haus in der lieben Mittagssonne‘“, sagt sie. Ich folge ihrem Blick zu dem Fenster über der Haustür, vor dem eine ovale Glasmosaik-Scheibe aus der Zeit des Jugendstils angebracht ist. Und dann, kaum das die Worte verklungen sind, scheint das Licht der Mittagssonne durch das ovale Fenster und taucht die kleine Eingangshalle in leuchtendwarme Farben. Pia Gehrmann-Puffer strahlt mich an. „Kaffee?“ „Sehr gerne.“

2001 hat die NAI (Neue Arbeit Integrations gGmbH) das Wilhelm Kliewer Haus von der Stadt Mönchengladbach übernommen und das Haus  zu einer modernen Begegnungsstätte aus- und umgebaut. Heute finden hier Unternehmen, Bildungsträger, soziale und karitative Einrichtungen sowie Familien gleichermaßen ideale Bedingungen zum Tagen, Feiern und Übernachten vor. Vom Empfang, über die Verpflegung während des Aufenthalts sowie mit Catering und entsprechend festlicher Dekoration für die große oder kleine Feier: Pia Gehrmann-Puffer und ihr Team sorgen für die richtige Atmosphäre und den Rahmen, damit sich ihre Gäste wohlfühlen.

WILHELM KLIEWER HAUS
Gäste- und Tagungshaus
Ungermannsweg 8
41169 Mönchengladbach
www.wilhelm-kliewer-haus

Die NAI, Tochtergesellschaft der Neue Arbeit GmbH, gehört dem Diakonischen Werk Mönchengladbach e.V. an. Als gemeinnütziger, vom LVR anerkannter Inklusionsbetrieb, bereitet die NAI seit 2005 Menschen mit besonderen Erschwernissen und behinderungsbedingten Einschränkungen auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vor. Das Ziel ist, ihnen so eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Die NAI beschäftigt insgesamt 156 Mitarbeitende, davon 67 schwerbehinderte Menschen. Der größte Teil der Mitarbeitenden ist in einer hochmodernen Wäscherei beschäftigt, die sich auf Textilien für Krankenhäuser und Seniorenheime spezialisiert hat. Das Wilhelm Kliewer Haus ist eine Abteilung der NAI und beschäftigt 18 festangestellte Mitarbeitende mit und ohne Einschränkungen.
www.neue-arbeit-mg.de

 

Text: Sonja Raimann / Bilder: WKH | NiederRhein Edition 2022

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