Ostern auf niederrheinisch

Osterbräuche und -traditionen im Allgemeinen und insbesondere am Niederrhein (Teil 2)

Ostersonntag oder niederrheinisch »Poaschdaach«


„Poasche“ leitet sich von dem hebräischen Wort „pasca, pascha“ ab. Ostern war der höchste Feiertag im Bewusstsein der Menschen. Der Ostertag begann mit der Auferstehungsfeier. Die Alten nannten diese Feier auch „Judasjagen“. An diesen Tagen wurde in den Familien auch die Kleidung gewechselt. Männer wie Frauen legten die warme Winterkleidung ab. Frauen trugen „öt pooschbääste Kleed“ (das österliche beste Kleid).

Zum gemeinsamen Frühstück kamen die im Sud von Zwiebelschalen braun-gelb oder im Sud von Kornblumenwurzeln gelb-grün gefärbten Ostereier auf den Tisch. Noch bis weit in die 1950er Jahre hinein blieb man in der Familien unter sich und machte keine Besuche. Am Nachmittag machte man einen gemeinsamen Spaziergang. Am Ostersonntag ging auch jeder Bauer auf seine Felder und Gartenbesitzer in ihren Garten. Dort steckten sie einen frisch geweihten Buchsbaumzweig „öt Pälmke“, in jedes einzelnen Stück Land. „Öt Pälmke“ sollte die Frucht vor jeglichen Schaden bewahren. Dabei wurde folgendes gebetet: „Ich stecke ein Pälmchen am Ostertag, dass Gott das Land bewahren möge vor Hagel, Blitz, Feuer und Donnerschlag!“ („Ich schteäk e Pälmke op Poaschdaach, dat Jot öt Longk bewahre maach för Haarel, Blets, Vüer on Donerschlaach!“)

Poaschmoanich – Ostermontag


Auch der Ostermontag stand ganz im Zeichen der Familie. Man ging zusammen spazieren um den Frühling zu grüßen. Außerdem  hieß es auch „de Jaach jeet op“ (die Jagd geht auf). Nach der langen Fastenzeit durften die jungen Männer endlich wieder ihre Mädchen besuchen und zum tanzen ausführen. Es wurde das „neue Leben“ der Frühling und die Liebe gefeiert.

Quelle: "Durch das Jahr – Feste und Bräuche am Niederrhein" von H. Siemes/G. Philipps. Erschienen im Mercator-Verlag, ISBN 3-87463-371-3