projektraum-bahnhof25.de

in Kleve


Text: Margret Ostermann | NiederRhein Edition 02/2013 | Bilder: projektraum-bahnhof25.de

In der inspirierenden Atmosphäre der Freien Kunstakademie in Essen hatten im Jahre 2008 die Künstler Knickhoff, Scholder und Schink die Initialidee zu einem Kunstraum. Seitdem die Kunstschaffenden in Kleve ein Ladenlokal in einem Stadthaus anmieteten, das mit seinen Hinterzimmern, dem Hofareal und dem spröden Charme des Unzeitgemäßen echtes Projektpotential zeigte, hat das kleinstädtische Kleve einen Kunstraum mit großstädtischem Fluidum. In diesem Jahr feiert der „projektraum-bahnhof25.de“ sein fünfjähriges Bestehen.


Der Begriff ‚Projekt‘  leitet sich ab von lateinisch proiectum, nach ‚vorn geworfen’. So steht es bei wikipedia, und weiter: „nicht konform verwendet man die Bezeichnung ‚Projekt‘ auch, um z.B. einen noch nicht abgeschlossenen Prozess der Entwicklung zu benennen, oder auch, um etwas Neues im Bereich Kunst zu bezeichnen, das  einen höheren Aufmerksamkeitseffekt hervorruft und …. , um diese Bezeichnung fallen zu lassen, wenn man sich für etabliert hält“.

Und damit sind wir angekommen in der Bahnhofstraße 25 in Kleve, wo früher einmal das renommierteste Elektrofachgeschäft Kleves untergebracht war. „Strassen und Amelung – fand einen neuen Weg“ so wurde da Seinerzeit für 1. Klasse Farbfernsehen geworben.Und heute, mehr als 60 Jahre später, fanden die drei Kunstaktiven, Elisabeth Schink, Ulrike E.W. Scholder und Dirk D. Knickhoff  wieder einen neuen Weg: hier ist jetzt ein Raum für Kunst, eine Plattform für Künstler und eine Drehscheibe für regen und überregionalen künstlerischen Austausch und, wenn man so will, ein Mutant von  „1.-Klasse-Fernsehen“. Der netzspezifische kühle Name „projektraum-bahnhof.25.de“ ist jedenfalls auf seine jetzige Art Programm.

Die Kunstschaffenden hatten bis dahin schon eine Ateliergemeinschaft im Gelände der ehemaligen Keksfabrik „XOX“ unterhalten. Sie kannten sich und ihre künstlerischen Ausdrucksformen; außerdem verband sie die gemeinsame Teilnahme an Kunstprojekten wie dem ARTORT.

„Kunst kann Widersprüchliches vereinen – aus der Gleichzeitigkeit der Ebenen wächst … Spannung“

„Spannung“ ist für Elisabeth Schink das Ereignis, auf das sich ihr Arbeiten verdichtet, die Spannung zwischen dem Innen und Außen, der Oberfläche und dem Darunterbefindlichen, dem Schönen und dem, was vielleicht „durch das Schöne verborgen ist“. Sie verlässt in den letzten Jahren mehrfach die Zweidimensionalität: Eigentlich Malerin hat sie Gaze in ihr Arbeiten aufgenommen, einen semitransparenten Stoff, der  – über ihre Malerei gespannt – der Farbe die Härte nimmt, Mittelbarkeit verursacht und die dritte Dimension hinzufügt. In zart atmende Gaze eingenähte Pflanzenwesen sind geschützt und wirken gleichzeitig entrückt und werden so zu isoliert erscheinenden Trauminstallationen.

Im Rahmen ihrer künstlerischen Auseinandersetzungen wuchs ihr ein Kunstwesen zu; mit „Kwiwi“ personifiziert sie das „Urwüchsige“. Es gibt ihren Installationen die akustische Komponente, den Ton (tonus: lateinisch = Spannung). In alledem ist „Verbindung ein zentrales Wort für mich“, sagt sie. Weitere Infos unter www.elisabeth-schink.de.

Ihre Thematik:

Kunst und Naturwissenschaft

Ulrike E.W. Scholder – Künstlerin mit den Schwerpunkten Fotografie und Bildhauerei: „Ich mache mir die Fotografie zunutze, um sie in der Bildhauerei einzusetzen“. Ihre Inspirationen bezieht Ulrike aus dem Konnex von Kunst und Naturwissenschaft; „Beim Lesen, oder durch Film ergeben sich oft Aufhänger, die Themen aufwerfen, denen ich künstlerisch nachspüren will“. Ihr Werk „Entomos“ – entstanden in einem Prozess kameraloser Fotografie - geht zurück auf ihre Beschäftigung mit der Forscherin Sibylla Merian, die schon im 17. Jahrhundert zur „Metamorphose der Raupe zum Falter“ geforscht hat. Entomos“  ist die Erschaffung einer „eigenen floralen Welt“, so Ulrike Scholder.

In einen anderen Zeitbezug gestellt und auf eine Bühne gehoben findet in beleuchteten Kästen eine Metamorphose  auf neuen Ebenen statt.  Weitere Infos unter www.scholder.de.

Für den Künstler Dirk Knickhoff sind „Zeit“ und „Raum“ wesentliche Momente, die z.B. bei seinem Arbeiten mit der Camera Obscura zum Tragen kommen; durch lange - teilweise stundenlange - Belichtungszeiten werden die Dinge anders erfahrbar. Folgerichtig ist nicht das Bild als „eingefrorenes Ergebnis“ entscheidend, sondern der Prozess. Ziel ist auch nicht der dokumentarische Aspekt seiner Arbeiten. Dirk Knickhoff – ein „Spurensucher nach dem Quellcode des Lebens“ – setzt sich über sein eigenes Arbeitskonzept hinweg, löst es auf und findet sich wieder in einer Zwischenwelt, in der er physikalische Gesetze außer Kraft setzt. Weitere Infos unter www.knickhoff.de.

Projektraum – ein Ort für

Gesellschaft, Kunst und Alltagswahnsinn

„… Wir wollten einen Off-Raum, eine Plattform für uns, um unsere eigenen Sachen zu präsentieren, aber wir hatten auch das Bedürfnis zu netzwerken, auch wenn am   Anfang die Richtung noch unklar war ….“, erklärt Elisabeth Schink das gemeinsame Projekt  „wir fanden, dass zu wenig passiert in Kleve...“ und beflügelt durch ihre Erinnerungen, fangen alle Drei an, durcheinander zu reden, und den kalten Projektraum, der keine Heizung kennt, durchschneiden Satz-Fetzen wie „Dialog immer im Mittelpunkt … unabhängig vom Kunstmarkt … jenseits von wirtschaftlichen Interessen … abseits von der merkantilen musealen Schiene …nicht nur temporär …nicht konform …Plattform für Kollegen ….“.

Seitdem jene ersten Ideen in die Welt flogen, ist viel passiert. 2009 konstituierte sich der Verein; durch die Gemeinnützigkeit kamen die Initiatoren ihren Zielen näher und nutzten zugleich den Verein als eine Art Metaebene oberhalb von „Gesellschaft, Kunst und dem Alltagswahnsinn. „Wir haben eine Bildungsaufgabe und müssen unser Publikum vor Herausforderungen stellen“, so Dirk Knickhoff. Als Sprungbretter in den ADKV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstverein) dienten gute Presse, qualifizierte Redner bei den Ausstellungseröffnungen und die Auswahl der Künstler. Der ersten Ausstellung im Jahre 2008 folgten inzwischen 28 Projekte, fünf Projekte jährlich.

Vom 31.8. bis 6.10. 2013 findet im Nordkreis Kleve das Projekt „Caravan und Satellit 2013“ statt. Der BBK Niederrhein präsentiert mit dem Caravan Kunst auf Achse im öffentlichen Raum. Der Projektraum am Bahnhof ist einer von fünf sog. Satelliten, die untereinander durch den Caravan vernetzt werden. Die Ausstellungseröffnung im Projektraum findet am 21.9. um 16:00 Uhr statt.

Nutzer und Besucher des Kunstraumes können sich hoffentlich noch lange daran erfreuen, dass die Betreiber im eigentlichen Projektsinn noch nicht etabliert sind, und ihre Visionen im projektraum-bahnhof.25.de je zu einem neuen Stück lebendigen gesellschaftlichen Lebens werden.

projektraum-bahnhof25.de
bahnhofstrasse 25
d-47533 kleve
www.bh25.de