Silke von Patay

Eine Wahlhamburgerin am Niederrhein


Text: Sabine Hannemann | NiederRhein Edition 02/2013 | Fotos: Michael Pluschke, Stadt Willich

Die Schlossfestspiele Neersen sind beendet. Geblieben sind Erinnerungen an traumhafte Kulisse und fantastische Kleider. Sie stammen von Silke von Patay, die mit ihrer kreativen Ausstattung erneut begeisterte.


 

Theater, Theater, der Vorhang geht auf …, so auch bei den 30. Schlossfestspielen Neersen vor historischer Kulisse. Bereits zum sechsten Mal ist die Wahlhamburgerin Silke von Patay der kreative Kopf und für die Ausstattung wie Bühnenbild, Kostüme und Requisiten zuständig. Diesmal für drei Inszenierungen. Sie lässt beispielsweise das Familienstück Peter Pan für das Publikum lebendig werden. Gleiches gilt für den eingebildeten Kranken von Molière und das Woody Allen Stück „Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie“.

Sie mag die Herausforderung

„Jedes Stück ist für eine Freilichtsituation eine Herausforderung. Ich muss Gegebenheiten akzeptieren und daraus etwas machen“, sagt Silke von Patay, die bereits im Vorfeld am Hamburger Schreibtisch Skizzen gemacht hat, weitere Ideen sammelt und umsetzt. Ihre markanten Illustrationen findet der Theaterbesucher beispielsweise auch im Programmheft wieder. Auf Packpapier zeichnet sie zunächst Figurinen mit Kohle und Kreide, fixiert die Ergebnisse mit Haarspray, damit nichts verwischt.

Auch eine Bühne im Miniformat entsteht in dieser Phase. So lebendig und nah die Figuren samt Bühnenmodell auch wirken, sie sind nur Teil der Vorarbeiten und dienen der Figurenfindung. Dazu geheftete Stoffproben geben der Kostümschneiderei später Auskunft über das gewünschte Material der Kleider. Die Werkstatt in Neersen ist der kreative Ort, das Herzstück der Produktion. Nichts kommt dabei sofort in die Endfassung, sondern entsteht aus sich heraus „und entwickelt sich spätestens bei den Proben weiter.

Man geht gemeinsam mit der Figur den Weg und ist im Dialog“, sagt sie. Arbeitssituationen, die Silke von Patay liebt, „weil sie die Fantasie anregen.“

Multifunktional

Gerade die Umsetzung des Kinderstücks Peter Pan ist dafür ein Beispiel. Alle Bühnenelemente sind multifunktional. Das heißt, Möbel werden so gebaut, dass sie mehrere Funktionen erfüllen. Beim Pan-Stück wird aus dem viktorianischen Kinderbett ein Piratenschiff. Oder aber der Blumenständer verwandelt sich in einen Totempfahl. Arbeitsintensive drei Monate in Neersen liegen hinter ihr, die dafür ihren Lebensmittelpunkt Hamburg verlassen hat. „Mich hat damals die Festspielintendantin Astrid Jacob angerufen und gefragt, ob ich die Ausstattung übernehmen will“, erinnert sich Silke von Patay.

Schon als Kind hat sie gezeichnet, gebastelt. Selber machen, Nähen und Heimwerkern wurde in ihrer Familie groß geschrieben. Als 14-Jährige machte sie ein Praktikum in der Opernschneiderei in ihrer Heimatstadt Kiel, wo sie 1969 geboren wurde. Fürs Schultheater entwarf sie Kostüme und Bühnenbilder. Dass sie nach dem Abitur in Berlin an der Deutschen Oper hospitierte, eine Schneiderlehre in einem Maßatelier machte, danach Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule der Künste in Berlin studierte, ist nur folgerichtig. Auf die Bühne wollte sie nie, sondern die Arbeit hinter der Bühne fasziniert sie. Seit 13 Jahren arbeitet sie als freie Künstlerin und freiberufliche Ausstatterin an verschiedenen Bühnen, unter anderem am Staatstheater Stuttgart, den Bühnen der Stadt Köln, den Festspielen Oppenheim, dem Landestheater Tübingen. „Lieber im Hintergrund, das ist der richtige Platz für mich“, sagt Silke von Patay über sich.

Zwischenwelten und Flamingo-Gedichte

Eine Eigenschaft, die sie auszeichnet, ist ihre Liebe zum Detail. „Da muss selbst der Knopf zum Stoff passen“, meint sie. Die Bühnenausstattung ist dabei nur eine ihrer beruflichen Seiten. Als Bildhauerin, Malerin und Puppenbauerin erlebt man sie zu anderen Zeiten. Zwischenwelten, wie sie meint und inspirierender Ausgleich zugleich. Sie näht skurrile Figuren im 3D-Format, denen sie menschliche Züge mit der Nähmaschinennadel gibt. Die charmant-bösartige Ironie des französischen Künstlers Honoré Daumier lässt grüßen. Silke von Patay: „Ein genähtes Porträt. Eine Gratwanderung zwischen Karikatur und Mensch.“ Anregungen für ihre Zeichnungen und Textilfiguren mit menschlichen Schwächen holt sie sich aus dem bunten Leben, auf der Straße, wie bei der bewegungsfreudigen Figur der drallen und doch so selbstbewussten Tänzerin. Zu jeder der Figuren gibt es eine Entstehungsgeschichte, eine spontane Beobachtung. Ein weiteres Feld ist das Schreiben und Illustrieren von eigenständigen Geschichten und Gedichten. Darunter sind auch so genannte Flamingo-Gedichte mit Hang zur Theatralik. Flamingo-Gedichte? Silke von Patay lacht. „Ich habe das erste Gedicht einfach so genannt, weil jedes der Wörter mit einem 'Fl' begann. Das war ganz schön schwierig. Alle weiteren Gedichte dieses Genres haben natürlich ihre eigene Konsonantenkombination.“