Wenn der Frühling wieder kommt,

dann schenk´ ich dir Tulpen aus …


Text: Sonja Raimann| NiederRhein Edition 01/2014

Wer an Holland denkt, der denkt mit Sicherheit auch an Blumen, Blumenzwiebel und Tulpen im Speziellen. Tatsächlich gilt die Tulpe, die ihren Ursprung in Persien hat und ihren Weg im 16. Jahrhundert in die Niederlande fand, heute nicht nur als die Nationalblume der Niederlande, sie ist auch der Exportschlager Nr. 1.


Erstmalig Erwähnung findet die zur Gattung der Lilien-Gewächse gehörende Pflanze bereits in altpersischer Literatur des 9. Jahrhunderts. Von den Persern übernahmen die Türken die Kultivierung von Tulpen und nutzten sie bereits ab dem 16. Jahrhundert als Gartenpflanze. Aus dem ottomanischen Reich gelangte die Tulpe in der Mitte des gleichen Jahrhunderts auch nach Mittel- und Westeuropa – über Italien und Wien in die Niederlande.

Die Tulpe – Spekulationsobjekt und  „Must-have“ des Adels und Geldbürgertums des 17. Jahrhunderts

Carolus Clusius, niederländischer Gelehrter, Arzt und Botaniker, kannte wie kein anderer Botaniker seiner Zeit sehr viele Pflanzen aus den verschiedensten Gebieten Europas. 1592 sorgte er mit seinem ersten und damals bedeutendsten Buch über Tulpen dafür, dass diese quasi über Nacht zu einer Popularität gelangten, die Menschen dazu brachte, in den Garten des Botanikers einzudringen, um ihm seine Tulpen zu stehlen. Infolge der zunehmenden Beliebtheit des Lilien-Gewächses, entwickelten sich die Niederlande schnell zu einem Zentrum für Zwiebelpflanzen- und Tulpen-Zucht. Es entstanden viele neue Sorten. Bedingt durch eine Viruserkrankung, auch solche mit gefüllten Blüten oder farbig geflammten Blüten. Die Beliebtheit der üppigen und farbenprächtigen Blüten stieg ohne Unterlass, sie wurden in Gemälden dargestellt und man veranstaltete ihr zu Ehren die ersten „Tulpenfeste“. Die Pflanze weckte Begehrlichkeiten und  mit steigender Nachfrage, stieg auch ihr Preis. Tulpen wurden zu einem Spekulationsobjekt  und zeitweise sogar als Währung gehandelt. Die erste Spekulationsblase die unter dem Namen „Tulpenmanie“ in die Geschichte eingehen sollte, platzte 1637.

Nach dem großen Börsencrash normalisierte sich der Preis für Tulpen wieder und sie entwickelten sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der sogenannten „Goldenen Zeit der Niederlande“, von einer Blume für Adel und Geldbürgertum, zu einer weit verbreiteten Zierpflanze.

In mehr als 420 Jahren steht die Liebe der Niederländer für Tulpen sowie Blumen und Pflanzen im Allgemeinen immer noch in voller Blüte. Über 60 % des internationalen Blumenhandels wird heutzutage über niederländische Auktionen abgewickelt, aber auch der Niederländer an sich, ist ganz verrückt nach Blumen. Durchschnittlich 60 Euro gibt er im Jahr für bunte Blumen aus. Den ursprünglichen Marketingslogan „Zeg het met bloemen“ („Lass Blumen sprechen“) haben die Niederländer nicht nur als feste Redewendung übernommen, sie leben ihn auch.

Jedes Jahr wieder wartet der Niederländer mit dem Ende des Urbi et Orbi auf die magischen Worte des Papstes: „Danke für die Blumen aus den Niederlanden.“

Blumen und die Niederlande sind also unauflösbar miteinander verbunden. Blumenfelder bestimmen die Farbe der typisch niederländischen Landschaft – vor allem in den Provinzen Nord-Holland und Flevoland. Hier sorgen Blumenzwiebelfelder, lange Wasserkanäle und grüne Streifen Gras für eine bunte Palette. Nicht nur als Exportprodukt sind die Blumen ein wichtiger Teil der Niederlande, auch als Touristenattraktion stehen sie jedes Jahr wieder hoch im Kurs.

Besonders imposant und themenspezifisch bepflanzt, präsentiert sich alljährlich der Keukenhof, der größte Blumenpark der Welt....

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