Der Tag des Heiligen Nikolaus

6. Dezember ist Tsenter Kloas

Bis etwa 1930 war Weihnachten am Niederrhein ein eher unbedeutsames Fest. Von alters her von großer Bedeutung war dagegen der Nikolaustag. Nach dem Martintstag , dem 11. November, fieberten alle Kinder „Tsenter Kloas“ entgegen.
 

Färbte sich der Abendhimmel rötlich, dann hieß es „Nikolaus backt“ und im Umkreis von Viersen und Mönchengladbach glaubten die Kinder „der helije Man“ wohne im Westen, genau in Mönchengladbach-Hardt. Hier gibt es, neben einem alten Nikolaus Patrozinium in der Hardter Pfarrkirche, eine aus dem 18. Jahrhundert stammende Wegeskapelle die dem Hl. Nikolaus geweiht ist und bereits seit dem 15. Jahrhundert eine Nikolausbruderschaft. Also ausreichende Gründe für die Kinder zu glauben, hier wäre „Tsenter Kloas“ zuhause.

Bereits Tage vor dem Nikolausabend wurde ein Körbchen mit Heu, einer Möhre oder einer paar Scheiben Brot vor die Haustür oder auf die Fensterbank gestellt. Manch einer legte auch ein paar Stückchen Würfelzucker dazu. Der Schimmel des „Heiligen Mannes“ sollte sich stärken können, wenn er an den Häusern vorbei ritt und in die Fenster schaute, um zu sehen, ob die Kinder brav und artig waren. Wenn das Körbchen am nächsten Morgen geleert war, galt das als Beweis, dass „Tsenter Kloas“ wirklich vorbeigeritten war.

Kloasblötsch und Kloasbakwärk nicht vergessen!

Die Vorfreude des Wartens auf den Heiligen Nikolaus war geprägt von einem Spannungsfeld zwischen Angst und Freude – denn es war nicht unüblich die Kinder mit einem Glöckchen oder Poltern zu erschrecken. Meist wurde gebetet, aber auch viel gesungen – noch heute sind viele Nikolausliedern bekannt und beliebt. War es dann endlich soweit, dann wurden am Vorabend ein besonders großer weiß gescheuerter Holzschuh, der „Kloasblötsch“, oder ein Teller aufgestellt. In weiser Voraussicht hatten die Kinder auch noch „Kloasblötsch“ oder Teller bei der Patentante oder dem Patenonkel aufgestellt und am Morgen des 6. Dezembers waren dann Holzschuh oder Teller mit Gaben gefüllt. Wie zur Jahrhundertwende und bis etwas 1930 üblich, gehörten Äpfel, Nüsse und Kastanien zu den Gaben. „Kloasbakwärk“ (Nikolausgebäck) gab es natürlich auch und bestand aus Bukmännkes, Weckmännchen, Wägelkes, Fräntskes, Honigkuchen und Spekulatius. Die Hauptgaben bestanden allerdings aus, für den Winter unbedingt notwendige Bekleidung sowie wichtige Utensilien für die Schule und natürlich war auch das ein oder andere kleine Spielzeug dabei.

Mancherorts ging St. Nikolaus – auch „Clööske“ genannt – im bischöflichen Gewandt von Haus zu Haus, um die braven und auch die unartigen Kinder kennenzulernen. Wie heute noch mehrheitlich in Familien und Kindergärten üblich, trug „Clööske“ neben den bischöflichen Insignien auch einen langen weißen Bart – es sollte ja niemand erkennen wer dahinter steckt. Aus einem goldenen Buch las er, gereimt oder in Prosa, die lobenswerten und weniger guten Taten der Kinder vor, die natürlich stets Besserung gelobten. Die mitgebrachten Gaben trug sein schwarzer teuflischer Begleiter „Hans Muff“ in einem Sack. Hans Muff war gefürchtet, rasselte mit den Ketten oder drohte mit der Rute, wenn die Kinder gerügt wurden. 

Auch wenn das Weihnachtsfest heute einen höheren Stellenwert bekommen hat, so ist und bleibt der Nikolaustag nach wie vor ein besonderer Tag und die Aufregung und Freude groß, wenn sich am Morgen des 6. Dezembers eine süße Überraschung in Schuh oder Stiefel findet.

Unsere holländischen Nachbarn sind der Tradition hingegen treu geblieben und in den Niederlanden beginnt Mitte November traditionell die Nikolauszeit.

Sinterklaas legt mit seinem Schiff in Maassluis an und bereist mit seinem Begleiter „ Zwarte Piet“ das ganze Land. Und während bei uns spätestens ab dem 1. Advent bereits alles weihnachtlich geschmückt wird, gehört in den Niederlanden die Zeit bis nach dem Nikolaustag ganz Sinterklaas und den Kindern – und entsprechend wird dekoriert, geschmückt und gefeiert. Erst wenn Sinterklaas sich zurück auf den Weg nach Spanien macht, dann beginnt auch in den Niederlanden die Weihnachstzeit.

Aber wer war den eigentlich der Heilige Nikolaus, der sich einer solch weltweiten Beliebtheit und Verehrung erfreut?

Nikolaus von Myra (altgriech.Nikolaos Myriotes; * zwischen 270 und 286 in Patara; † 6. Dezember 326, 345, 351 oder 365[1]) ist einer der bekanntesten Heiligen der Ostkirchen und der lateinischen Kirche. Sein Gedenktag, der 6. Dezember, wird im gesamten Christentum mit zahlreichen Volksbräuchen begangen.

Nikolaus’ Wirken hat zu vielfältigen Legendenbildungen beigetragen, die im Laufe der Jahrhunderte dazu führten, dass er als einer der wichtigsten Heiligen angesehen wurde. Die Legenden basieren allerdings nicht nur auf dem Leben des Bischofs von Myra, sondern auch auf denen eines gleichnamigen Abtes des Klosters Sion bei Myra, der später Bischof in Pinara war und 564 starb.

Ein verarmter Mann beabsichtigte, seine drei Töchter zu Prostituierten zu machen, weil er sie mangels Mitgift nicht standesgemäß verheiraten konnte. Nikolaus, noch nicht Bischof und Erbe eines größeren Vermögens, erfuhr von der Notlage und warf in drei aufeinander folgenden Nächten je einen großen Goldklumpen durch das Fenster des Zimmers der drei Jungfrauen. In der dritten Nacht gelang es dem Vater, Nikolaus zu entdecken, ihn nach seinem Namen zu fragen und ihm dafür zu danken. Aufgrund dieser Legende wird der Heilige oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln als ikonografischem Heiligenattribut dargestellt.

In Seenot geratene Schiffsleute riefen in ihrer gefährlichen Lage den heiligen Nikolaus an. Ihnen erschien ein mit Wunderkräften ausgestatteter Mann und übernahm die Navigation, setzte die Segel richtig und brachte sogar den Sturm zum Abflauen. Daraufhin verschwand der Mann wieder. Als die Seeleute in der Kirche von Myra zum Dank für ihre Rettung beteten, erkannten sie den Heiligen und dankten ihm. Wegen dieser und ähnlicher Erzählungen wurde Nikolaus zum Patron der Seefahrer.  

Quellen und mehr Infos: "Durch das Jahr - Feste und Bräuche am Niederrhein" von Helena Siemes und Gerd Philipps. Erschienen im Mercator Verlag, ISBN 9783874633710), https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Myra,

Die Ausgabe 02/2020 ist da!