Die Farbensammlerin

von Anne Seiler

Die Geschichte führt und ins Jahr 1898 in die Künstlerkolonie Worpswede. Dieser kleine Ort im Teufelsmoor wurde damals zu einem Treffpunkt für junge Künstlerinnen und Künstler, die neue Wege gehen wollten – fern der Akademien, fern der engen Erwartungen der Gesellschaft.

Im Mittelpunkt steht Johanna, eine junge Frau, die sich nichts sehnlicher wünscht, als zu malen. Farben bedeuten ihr alles. Doch ihr Vater hat andere Pläne für ihre Zukunft. Für ihn gehört eine Tochter in eine sichere Ehe, nicht in ein Künstlerleben voller Unsicherheiten. Johanna trifft eine Entscheidung, die für eine Frau ihrer Zeit alles andere als selbstverständlich ist: Sie verlässt ihr Zuhause und geht nach Worpswede.

Dort begegnet sie Menschen, die heute zur Kunstgeschichte gehören – Paula Becker, Otto Modersohn, Fritz Mackensen und Rainer Maria Rilke. Zwischen Ateliers, Moorlandschaften und langen Gesprächen über Kunst beginnt für Johanna eine Zeit des Suchens und Lernens.

Was mir an diesem Roman besonders gefallen hat, ist die Atmosphäre. Anne Seiler gelingt es sehr gut, die besondere Stimmung dieser Künstlerkolonie spürbar zu machen: diesen Aufbruch, die Sehnsucht nach neuen Ausdrucksformen und gleichzeitig die Grenzen, mit denen besonders Frauen damals konfrontiert waren. Der Roman erzählt dabei nicht nur von Kunst, sondern auch von Mut. Von der Frage, wie viel Kraft es braucht, sich gegen Erwartungen zu stellen und den eigenen Weg zu gehen. Johannas Geschichte steht stellvertretend für viele Frauen dieser Zeit, die beginnen, ihre eigenen Möglichkeiten auszuloten.

Mein Fazit

Die Farbensammlerin ist ein atmosphärischer historischer Roman über Kunst, Aufbruch und Selbstbestimmung. Anne Seiler verbindet die Geschichte einer jungen Frau mit dem faszinierenden Umfeld der Worpsweder Künstlerkolonie – und lässt so ein Stück Kulturgeschichte lebendig werden. Ein Buch für alle, die Geschichten über starke Frauen, Kunst und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben mögen. (SoRa)

Über die Autorin

Anne Seiler ist das Pseudonym der SPIEGEL-Bestsellerautorin Susanne Lieder. Seit 2012 widmet sie sich ganz dem Schreiben. Begonnen mit einer Krimireihe und mehreren Ostsee-Romanen, schreibt sie inzwischen vorrangig historische Romane und Romanbiografien, auch unter Pseudonym. Ihr Roman über Astrid Lindgren hat sich über hunderttausend Mal verkauft. Sie lebt südlich von Bremen. »Die Farbensammlerin« ist ihr erster Roman bei Heyne.

 

 

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