Vom „Lost Place“ zum Grünen Herzen

Die Landesgartenschau Neuss 2026 ist eröffnet und schenkt der Stadt einen neuen Park

Das Kunstwerk „Wir treffen uns im Wind“ von Hayato Mizutani ist von einem wunderschönen Tulpenmeer eingerahmt. FOTO: LAGA Neuss 2026 GmbH & Anne Orthen

Seit dem 16. April ist Neuss um einen Ort reicher. Einen Ort, der nicht nur für ein halbes Jahr blühen, leuchten und Gäste anziehen soll, sondern der bleiben wird. Dort, wo früher Pferde über die Galopprennbahn liefen und das Gelände später zunehmend aus der Zeit gefallen wirkte, ist mit der Landesgartenschau Neuss 2026 ein neuer Stadtpark entstanden. Ein Stück Zukunft mitten in der Stadt.

Rund sieben Jahre nachdem die Idee erstmals Form annahm, hat die Landesgartenschau ihre Tore geöffnet. Bis zum 11. Oktober lädt sie Besucherinnen und Besucher aus Neuss, vom Niederrhein, aus dem Rheinland und darüber hinaus ein, das neue „Grüne Herz“ der Stadt zu entdecken. Was früher vielen eher als brachliegendes Gelände bekannt war, ist heute ein 38 Hektar großer Park mit Wiesen, Wegen, einem See, neuen Bäumen, Biotopen, Spiel- und Sportflächen, Schaugärten und Bühnen. Aus einem Ort mit Vergangenheit ist ein Ort geworden, der wieder Gegenwart hat.

Und genau das macht diese Landesgartenschau interessant. Sie ist nicht nur eine Abfolge schöner Beete und farbenprächtiger Blumenschauen. Sie ist auch ein sichtbares Stück Stadtentwicklung. Ein neuer Freiraum, der Neuss verändern kann.

Ein Park, der bleiben soll

Landesgartenschauen haben immer etwas Festliches. Man kommt, schaut, spaziert, staunt, nimmt Farben, Düfte und Eindrücke mit. In Neuss geht es aber um mehr als diesen Moment. Auf dem ehemaligen Rennbahngelände ist ein Park entstanden, der nach der Landesgartenschau als dauerhafter Innenstadtpark weiterleben soll. Das „Grüne Herz – Stadtpark Neuss“ ist also kein schöner Rahmen für eine Saison, sondern ein neues Stück Stadt.

Mehr als 2.000 neue Bäume, große offene Wiesen, ein See und unterschiedliche Biotope prägen das Gelände. Dazu kommen Bereiche, die ganz bewusst zum Nutzen und Mitmachen gedacht sind. Basketball- und Beachvolleyballfelder, ein großes Skate-Areal, inklusive Sportangebote und drei Themenspielplätze machen deutlich, dass dieser Park nicht nur betrachtet werden will. Er soll belebt werden.

Kinder können über eine Galopprennbahn springen, in einem Kaninchenbau spielen oder ein altes Römerlager entdecken. Erwachsene finden Liegewiesen, Plätze zum Ausruhen, Wege zum Spazierengehen und Orte, an denen man für einen Moment vergisst, dass man sich mitten in der Stadt befindet. Genau darin liegt die Stärke dieses Projekts: Es schafft Aufenthaltsqualität, ohne sich vom städtischen Leben abzukoppeln.

Blumenpracht, Bühnen und mehr als 1.000 Veranstaltungen

Natürlich gehört zur Landesgartenschau auch das, worauf sich viele besonders freuen: Blumen, Schaugärten, gärtnerische Ideen und wechselnde Ausstellungen, die zeigen, was mit Pflanzen, Gestaltung und handwerklichem Können möglich ist. Doch das Programm in Neuss ist deutlich breiter angelegt.

Mehr als 1.000 Veranstaltungen begleiten die 179 Tage der Landesgartenschau. Konzerte, Kunst, Workshops, Führungen, Sportangebote, Familienprogramm, Brauchtum und Naturformate füllen den neuen Park mit Leben. Große Namen stehen neben lokalen Akteuren. Guildo Horn & die orthopädischen Strümpfe, Mia mit Sängerin Mietze, Dominik Eulberg mit seiner audiovisuellen Biodiversitäts-Show, Heavysaurus am Weltkindertag und Erobique zum Abschluss im Oktober zeigen die Bandbreite des Programms.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Programmpunkte aneinanderzureihen. Spannend wird es dort, wo die Veranstaltungen den Ort mit der Stadt verbinden. Wenn Musik, Bewegung, Kunst und Natur nicht aufgesetzt wirken, sondern aus dem Gelände heraus entstehen. Schon das Eröffnungswochenende zeigte, wohin die Reise gehen soll: mit Mitmachangeboten, Streetfood, Konzerten, Gottesdienst, Kunstformaten und Begegnungen auf dem Gelände.

Neuss macht diese Gartenschau mit

Eine Besonderheit der Landesgartenschau ist die starke Beteiligung aus der Stadtgesellschaft. Der Mitmachverein GRÜNES HERZ NEUSS e. V. begleitet das Projekt seit 2022 und hat aus Ideen, Engagement und lokaler Verbundenheit ein eigenes Programm entstehen lassen. Mehr als 450 Termine werden durch den Verein und seine Partner beigesteuert.

Das klingt zunächst nach einer Zahl. Dahinter steckt aber etwas, das man einer Veranstaltung anmerkt: Menschen aus der Stadt bringen sich ein. Vereine, Initiativen, Kulturschaffende, Sportgruppen, Naturfreunde, Jugendliche, Seniorinnen und Senioren, Brauchtumspflege und Nachhaltigkeitsprojekte finden im neuen Park eine gemeinsame Bühne.

Von Yoga über Boule und Disc-Golf bis zu Skater-Events, von Urban Gardening über Zukunftsworkshops bis zu Kulturpicknicks und Kunstrouten entsteht ein Programm, das nicht nur bespielt, sondern beteiligt. Genau das kann eine Landesgartenschau besonders machen. Sie wird nicht nur besucht. Sie wird mitgetragen.

Der frühere Richterturm erinnert am Eingang-West an die frühere Galopprennbahn. Er wurde zur LAGA saniert. Im Hintergrund das Event-, Blumen- und Gastrozelt Oase. FOTO: LAGA Neuss 2026 GmbH & Anne Orthen
Von der früheren Reithalle bleibt das Stahlgerüst erhalten. Hier wächst jetzt eine offene Gartenremise. FOTO: LAGA Neuss 2026 GmbH & Anne Orthen
FOTO: LAGA Neuss 2026 GmbH & Anne Orthen

Zwischen Rennbahngeschichte, Römern und Rhein

Neuss bringt für diese Landesgartenschau eine besondere Ausgangslage mit. Die Stadt gehört zu den ältesten Deutschlands und blickt auf über 2.000 Jahre Geschichte zurück. Diese Geschichte endet nicht am Parktor. Sie zieht sich durch die Stadt, durch das Quirinus-Münster, durch die Innenstadt, durch die römischen Spuren und die Nähe zum Rhein.

Dass die Landesgartenschau so nah am Zentrum liegt, ist ein großer Vorteil. Wer das Gelände besucht, kann den Tag leicht mit einem Abstecher in die Innenstadt verbinden. Bummeln, einkehren, das Münster anschauen, durch kleine Läden gehen oder in einem Brauhaus sitzen: Die Gartenschau ist hier nicht vom Stadtleben getrennt, sondern Teil davon.

Auch das Rheinvorland wird durch Programmpunkte der Landesgartenschau neu erlebbar. Damit entsteht eine Verbindung, die über das Gelände hinausweist. Die Landesgartenschau öffnet den Blick auf Neuss als Ganzes: auf seine Geschichte, seine Gegenwart und seine Entwicklung.

Ein Impuls für die Stadt von morgen

Besonders deutlich wird diese Entwicklung im Hammfeld. Direkt neben dem neuen Park soll ein neuer Stadtteil entstehen. Aus einem vor allem durch Büroflächen geprägten Bereich wird Schritt für Schritt ein gemischt genutztes Quartier mit mehr als 1.500 Wohnungen. Der neue Park wird damit künftig nicht nur Ausflugsziel sein, sondern auch Quartierspark, Treffpunkt und Verbindung zwischen Innenstadt, Augustinusviertel, neuen Wohngebieten und Rhein.

Das macht die Landesgartenschau auch städtebaulich bedeutsam. Sie zeigt, wie Grünräume heute gedacht werden müssen: nicht als Schmuck am Rand, sondern als wichtige Infrastruktur. Als Orte gegen Hitze, für Bewegung, für Begegnung, für Lebensqualität.

Gerade in wachsenden Städten ist das keine Nebensache. Ein Park kann Stadt nicht allein verändern. Aber er kann ein Anfang sein. Ein Raum, an dem Menschen sich begegnen, Kinder aufwachsen, Nachbarschaften entstehen und Natur wieder selbstverständlich Teil des Alltags wird.

Rheinische Herzlichkeit und ein langer Gartensommer

Die Veranstalter sprechen von einem sechsmonatigen Sommerfest. Das ist ein großes Wort, aber es passt zu dem, was die Landesgartenschau sein will. Sie möchte nicht distanziert wirken, sondern einladend. Nicht nur schön, sondern lebendig. Nicht nur für Gartenfans, sondern für Familien, Kulturinteressierte, Sportliche, Spaziergängerinnen, Neugierige, Neusserinnen und Neusser und Gäste aus der ganzen Region.

Dazu gehört auch das kulinarische Angebot. Außengastronomie, Snacks, saisonale Speisen und das große Eventzelt „Oase“, in dem auch das Neusser Bürger-Schützenfest gefeiert wird, sorgen dafür, dass der Park nicht nur besichtigt, sondern erlebt werden kann.

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem diese Landesgartenschau nahbar wird. Man muss kein Gartenexperte sein, um sich hier angesprochen zu fühlen. Man kann kommen, schauen, essen, Musik hören, Kinder spielen lassen, sich auf eine Wiese setzen, eine Führung mitnehmen oder einfach ein paar Stunden draußen verbringen.

Der Römerspielplatz weist auf die lange Neusser Stadtgeschichte römischen Ursprungs hin. FOTO: LAGA Neuss 2026 GmbH & Thomas Mayer Archive
Der Rennbahnspielplatz erinnert an die frühere Galopprennbahn auf dem Areal. FOTO: LAGA Neuss 2026 GmbH & Thomas Mayer Archive
Der Kaninchenspielplatz ist landschaftsarchitektonisch spannend eingebettet. FOTO: LAGA Neuss 2026 GmbH & Thomas Mayer Archive
Der Kaninchenspielplatz ist einer von 3 Themenspielplätzen auf der Landesgartenschau Neuss 2026. FOTO:LAGA Neuss 2026 GmbH & Thomas Mayer Archive

Gärtnerisches Können als Grundlage

Bei aller Stadtentwicklung und allem Programm bleibt eine Landesgartenschau natürlich auch ein gärtnerisches Projekt. Dahinter stehen Planung, Fachwissen und Erfahrung. Die Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege Nordrhein-Westfalen bringt die Expertise von Landschaftsarchitekten, Gärtnerinnen, Floristen und Fachleuten ein, die Gartenschauen seit Jahrzehnten begleiten.

Das sieht man später oft nicht auf den ersten Blick. Und doch steckt genau darin viel Arbeit: Welche Pflanzen funktionieren an welchem Standort? Wie verändert sich ein Gelände über Monate? Welche Blütenbilder entstehen im Frühling, welche im Sommer, welche im Herbst? Eine Gartenschau ist nie statisch. Sie wächst, verändert sich, lebt mit Wetter, Pflege, Jahreszeiten und Besuchern.

Gerade deshalb lohnt sich ein Besuch nicht nur einmal. Was im April frisch und neugierig beginnt, wird im Sommer voller, im Herbst anders und am Ende vielleicht noch einmal ganz neu wirken.

Ein Ort, der aus der Vergangenheit herausgewachsen ist

Die Landesgartenschau Neuss 2026 ist vieles zugleich: Gartenschau, Park, Kulturprogramm, Mitmachprojekt, Stadtentwicklung und Ausflugsziel. Das kann schnell nach großen Begriffen klingen. Vor Ort entscheidet sich aber, ob daraus ein Gefühl wird.

In Neuss stehen die Chancen gut. Denn hier ist ein Gelände verwandelt worden, das vielen lange eher als Restfläche erschien. Aus der ehemaligen Pferderennbahn ist ein neuer Park entstanden, der die Geschichte des Ortes nicht ausradiert, sondern weiterführt. Der alte Totalisator, das Tribünengebäude, die Erinnerung an die Rennbahn und die neuen Nutzungen liegen nah beieinander. Das macht den Ort eigen.

Vielleicht ist genau das die schönste Geschichte dieser Landesgartenschau: Sie zeigt, dass Veränderung nicht bedeuten muss, alles Alte hinter sich zu lassen. Manchmal bedeutet sie, einem Ort wieder eine Aufgabe zu geben.

Aus einem „Lost Place“ ist ein „Grünes Herz“ geworden. Und Neuss hat damit nicht nur eine Landesgartenschau eröffnet, sondern einen neuen Raum, der bleiben soll.

Informationen zur Landesgartenschau Neuss 2026
Die Landesgartenschau Neuss 2026 findet vom 16. April bis 11. Oktober 2026 auf dem Gelände der ehemaligen Galopprennbahn statt. Das Areal umfasst rund 38 Hektar. Während der 179 Tage sind mehr als 1.000 Veranstaltungen geplant.

Weitere Informationen zu Tickets, Anreise und Programm gibt es unter 
www.landesgartenschau-neuss.de.

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