Starke Ideen vom Niederrhein: Nachwuchsforscher überzeugen auch auf Landesebene
Dass Neugier, Ausdauer und kluge Fragen oft der Anfang von etwas Großem sind, zeigte sich schon beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ am Niederrhein. Nun ist klar: Die besten Nachwuchsforscherinnen und -forscher aus der Region konnten auch beim Landeswettbewerb an der Ruhr-Universität Bochum eindrucksvoll an ihre Leistungen anknüpfen. Mit einem ersten Platz, einem zweiten Platz und mehreren Sonderpreisen setzten die Teams vom Niederrhein ein starkes Zeichen für wissenschaftliches Niveau, Ideenreichtum und eine bemerkenswerte Ernsthaftigkeit im Umgang mit komplexen Themen.
Nachdem die Unternehmerschaft Niederrhein den Regionalwettbewerb in Krefeld erfolgreich ausgerichtet hatte, ging es für die qualifizierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Landesebene weiter. Dort bestätigten die jungen Talente, dass in der Region nicht nur gute schulische Leistungen, sondern auch echter Forschergeist zuhause sind.

Das paradox fallende Seil: Wenn klassische Mechanik plötzlich überraschend wird
„Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie viel Innovationskraft und Forschergeist in unserer Region steckt. Die jungen Talente haben sich mit großem Engagement komplexen Fragestellungen gewidmet und Lösungen entwickelt, die weit über das Schulniveau hinausgehen“, sagt Dr. Thomas Zöllner, Wettbewerbsleiter des Regionalwettbewerbs Niederrhein.
Besonders herausragend war der Erfolg von Qingyan Li vom Gymnasium am Moltkeplatz in Krefeld, der im Fachgebiet Physik den ersten Platz belegte. Sein Projekt trägt den Titel „Das paradox fallende Seil: Wenn klassische Mechanik plötzlich überraschend wird“ und widmet sich einem physikalischen Phänomen, das zunächst unscheinbar wirkt, bei näherer Betrachtung jedoch eine erstaunliche Tiefe entfaltet. Qingyan Li untersuchte ein fallendes Seil, das stärker beschleunigt als im freien Fall – ein Verhalten, das auf den ersten Blick im Widerspruch zu bekannten physikalischen Erwartungen stehen könnte. In seiner Arbeit konnte er nachweisen, dass die Ursache in der internen Energieübertragung innerhalb des Systems liegt. Mithilfe präziser Experimente und moderner Sensoren bestätigte er die theoretischen Vorhersagen und zeigte zugleich, dass der Energieerhaltungssatz trotz des ungewöhnlichen Verhaltens nicht verletzt wird. Die Jury würdigte insbesondere die Verbindung aus theoretischer Tiefe und experimenteller Genauigkeit. Mit dem Landessieg hat sich Qingyan Li nun automatisch für den Bundeswettbewerb vom 28. bis 31. Mai 2026 in Herzogenaurach qualifiziert.

Die Exit-Strategie – Die Notausgang-Philosophie
Auch im Fachgebiet Arbeitswelt konnte ein Team vom Niederrhein überzeugen. Marie Hoffmann, Leif Sekul und Emma Nagowski vom Norbert-Gymnasium Knechtsteden in Dormagen erreichten mit ihrem Projekt „Die Exit-Strategie – Die Notausgang-Philosophie“ einen zweiten Platz. Die drei beschäftigten sich mit der Frage, wie Hindernisse, Markierungen und Abtrennungen an Fluchttüren das Verhalten von Menschen in Notsituationen beeinflussen. In experimentellen Versuchsreihen untersuchten sie die Effizienz unterschiedlicher Szenarien beim Verlassen von Gebäuden. Ergänzend übertrugen sie ihre Beobachtungen auf das Verhalten von Schafherden, um zusätzliche Perspektiven auf Bewegungsmuster in Gruppen zu gewinnen. Ziel der Arbeit ist es, konkrete Ansätze zur Verbesserung von Evakuierungsprozessen zu entwickeln und damit die Sicherheit in öffentlichen Gebäuden zu erhöhen.
„Solche Projekte zeigen eindrucksvoll, wie praxisnah und lösungsorientiert junge Menschen heute denken. Das ist genau die Art von Innovationskompetenz, die unsere Wirtschaft in Zukunft braucht“, erklärt Dr. Ralf Wimmer, Patenbeauftragter des „Jugend forscht“-Regionalwettbewerbs Niederrhein.
Dass die Region auch darüber hinaus stark vertreten war, zeigen mehrere Sonderpreise, die niederrheinische Teams auf Landesebene erhielten. Dazu zählen die beiden Auszubildenden Robin Föhles und Leo Petrak von der LEMKEN GmbH & Co. KG Alpen mit ihrem Projekt „DeichselGuard“. Ebenfalls mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurden Anton Rütten, Ilinca Manole und Haimo Wang vom Gymnasium Fabritianum in Krefeld für ihre Projektarbeit „Instant Universe“.
Wenn Märkte denken: Eine quantenlogische Betrachtung von Preisbewegungen
Weitere Sonderpreise gingen an Justus Langemeyer vom Gymnasium Fabritianum in Krefeld, der sich in seinem Projekt „Wenn Märkte denken: Eine quantenlogische Betrachtung von Preisbewegungen“ mit einer ebenso anspruchsvollen wie ungewöhnlichen Fragestellung auseinandersetzte. Auch Michel König wurde ausgezeichnet. Der Auszubildende der SPECTRO Analytical Instruments GmbH in Kleve hatte sich mit der „Kompensation temperaturbedingter Längenänderung in fein-mechanischen Systemen“ beschäftigt.
So unterschiedlich die Projekte auch sind – sie verbindet etwas, das weit über Formeln, Versuchsanordnungen und Präsentationen hinausgeht: die Bereitschaft, genau hinzusehen, Zusammenhänge zu hinterfragen und Antworten nicht an der Oberfläche stehen zu lassen. Dass junge Menschen vom Niederrhein auf Landesebene derart überzeugend auftreten, ist nicht nur ein Erfolg für die Einzelnen, sondern auch ein starkes Signal für eine Region, in der Talent, Bildung und Ideenreichtum sichtbar wachsen.
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