Der Markisenmann

von Jan Weiler

Was wissen wir schon über unsere Eltern? Meistens viel weniger, als wir denken. Und manchmal gar nichts. Die fünfzehnjährige Kim hat ihren Vater noch nie gesehen, als sie von ihrer Mutter über die Sommerferien zu ihm abgeschoben wird. Der fremde Mann erweist sich auf Anhieb nicht nur als ziemlich seltsam, sondern auch als der erfolgloseste Vertreter der Welt. Aber als sie ihm hilft, seine fürchterlichen Markisen im knallharten Haustürgeschäft zu verkaufen, verändert sich das Leben von Vater und Tochter für immer. Ein Buch über das Erwachsenwerden und das Altern, über die Geheimnisse in unseren Familien, über Schuld und Verantwortung und das orange-gelbe Flimmern an Sommerabenden.

… was für eine berührende Geschichte. Unerhört! Feinfühlig, humorvoll und tiefgründig.

Sie beginnt im Sommer 2005, der MSV Duisburg ist gerade von der zweiten in die erste Bundesliga aufgestiegen, Mezut Özil, gerade 16, von Rot-Weiss Essen zu Schalke gewechselt, wo Manuel Neuer Jung-Torhüter ist. Nein, es geht in »Der Markisenmann« nicht um Fußball – nur ganz kurz. Aber es ist dieser Sommer 2005. Diese Zeit, über der für mich Rückblickend eine Art Aufbruchstimmung wabberte. Ein Gefühl, das für mich in dieser Erzählung, die ein stückweit auch so wunderbar das Ruhrgebiet und die Menschen im Revier beschreibt, mitschwingt.

Jan Weiler erzählt »Der Markisenmann « aus Sicht seiner Hauptfigur Kim. Die ist 15 und lebt mit ihrer Mutter Susanne, ihrem Stiefvater Heiko Mikulla sowie dem jüngeren Halbbruder Geoffrey in einem feinen Kölner Stadtteil. Kim nennt sie nur die „die Mikullas“. Sie selbst heißt Pape mit Nachnamen, wie ihr Vater. Den kennt sie aber nicht. Für die Mikullas jedenfalls spielt Geld keine Rolle. Davon ist genug da. Auch für Kim. Auf emotionaler Ebene sieht es da ganz anders aus.

Kim fühlt sich unverstanden, ungeliebt und unsichtbar – schlicht nicht gewollt. Klar, sie ist voll in der Pubertät, aber da ist noch mehr. Sie beginnt zu rebellieren. Als es ihrerseits zu einer Kurzschlusshandlung kommt, bei der ihr kleiner Bruder verletzt wird, schieben Susanne und Heiko sie kurzerhand ab. Statt sechs Wochen Sommerferien in Florida mit den Mikullas, wird Kim per Zug nach Duisburg zu ihrem Erzeuger Ronald Pape verfrachtet. Über den feinen Herrn Pape, wie Kims Stiefvater ihn bezeichnete, wurde bei den Mikullas nie gesprochen. Kim selbst hat keinerlei Erinnerung. Auch, warum sich ihre Eltern trennten, als sie zwei Jahre war, weiß sie nicht. Wenn überhaupt, dann hat sie eine wage Idee auf Basis eines alten, verschwommenen und zerschossenen Urlaubsfoto aus einer Zeit vor ihrer Geburt – mehr aber auch nicht.

Nach all den Jahren steht Kim am Duisburger Hauptbahnhof also nun einem ihr völlig fremden Menschen gegenüber. Sie sehen sich zwar ähnlich, aber das ist auch erst einmal alles. Der feine Herr Pape ist nicht nur irgendwie seltsam, seine Welt ist auch so völlig konträr, als die in der Kim bis dato gelebt hat. Nicht verwunderlich, dass sie zunächst nichts lieber möchte, als sich sofort wieder aus dem Staub zu machen. Doch sie ist auch neugierig und lässt sich auf das „Experiment“ ein: Kim lernt wunderbare Menschen kennen, lüftet ein Geheimnis und erlebt einen Sommer, der ihr Leben – und das ihres Vaters – völlig verändern wird.
Eine Geschichte mit Herz über eine Vater-Tochter-Beziehung. Über Freundschaft, Liebe, (zerplatzte) Träume, verschenkte Zeit und Verletzungen. Eine Geschichte, die bei aller Tragik angesichts dessen was Menschen sich gegenseitig antun können, humorvoll und leicht geschrieben ist und einen am Ende mit einem weinenden, aber auch lachenden Auge zurücklässt. Unerhört! (SoRa)

P.S.: Wer keine Lust hat selber zu lesen: Der Markisenmann gibts auch als Hörbuch!

Über den Autor

Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, ist Journalist und Schriftsteller. Er war viele Jahre Chefredakteur des SZ Magazins. Sein erstes Buch »Maria, ihm schmeckt's nicht!« gilt als eines der erfolgreichsten Debüts der letzten Jahrzehnte. Es folgten unter anderem »Antonio im Wunderland«, »Mein Leben als Mensch«, »Das Pubertier«, »Die Ältern« und die Kriminalromane um den überforderten Kommissar Martin Kühn. Neben seinen Romanen verfasst Jan Weiler zudem Kolumnen, Drehbücher, Hörspiele und Hörbücher, die er auch selbst spricht. Er lebt in München und Umbrien. Jede Woche veröffentlicht er eine neue Geschichte unter www.janweiler.de

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