Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben

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Nina ist fast fünfzig, geschieden, hat zwei erwachsene Kinder, eine Schwester, bei der immer alles perfekt sein muss und eine Mutter, die sich scheinbar nur um sich selbst dreht und gefühlt in den 80ern lebt. Gleich zu Beginn beschreibt Nina ihren eigenen Zustand mit einer Mischung aus Selbstironie und Ehrlichkeit: leichte Aggressionen, Zynismus, Brustspannen und dieses diffuse Gefühl, dass irgendwo unterwegs etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Während ihr Ex-Mann inzwischen mit einer deutlich jüngeren Influencerin ein neues Leben führt, versucht Nina, ihr eigenes zusammenzuhalten. Die Wohnung ist kleiner geworden, der Druck im Job größer, und irgendwo zwischen Verantwortung, Müdigkeit und Selbstzweifeln stellt sich die Frage: Wann hat sie eigentlich aufgehört, sich selbst wichtig zu nehmen?
Dann begegnet sie David. Er ist Anfang dreißig – und interessiert sich ausgerechnet für sie.
Was zunächst wie ein flüchtiger Moment wirkt, bringt Ninas sorgfältig austariertes Leben plötzlich ins Wanken. Eine Beziehung mit einem deutlich jüngeren Mann – das ist nicht nur emotional kompliziert, sondern auch gesellschaftlich aufgeladen. Während ältere Männer mit jüngeren Partnerinnen kaum auffallen, gerät Nina schnell in eine Rolle, die sie selbst nie gesucht hat.
Anika Decker erzählt diese Geschichte aus Ninas Perspektive – direkt, klug, oft selbstironisch. Nina ist keine Heldin im klassischen Sinn. Sie ist widersprüchlich, verletzlich, manchmal zynisch, manchmal erstaunlich mutig. Gerade darin liegt ihre Stärke. Man erkennt in ihr vieles wieder: diese Mischung aus Vernunft und Sehnsucht, aus Verantwortungsgefühl und dem leisen Wunsch, dass da vielleicht doch noch etwas anderes möglich sein könnte.
Der Roman erzählt dabei nicht nur von einer Liebesgeschichte. Er erzählt vom Älterwerden, von Erwartungen, von Rollenbildern und davon, wie schwer es sein kann, sich selbst noch einmal neu zu begegnen, wenn man dachte, das Leben sei längst entschieden.
Was mir besonders gefallen hat, ist der Ton. Anika Decker schreibt mit Witz, manchmal mit scharfem Blick, aber nie ohne Wärme. Viele Beobachtungen wirken erstaunlich präzise, fast so, als würde jemand laut aussprechen, was man selbst vielleicht nur denkt.
Natürlich ist das Buch kein stiller, minimalistischer Roman. Es erzählt viele Geschichten gleichzeitig: Familie, Beziehungen, Beruf, Freundschaften. Manch einem mag das eteas zu viel sein, für mich passt es jedoch zu Ninas Lebensphase: Alles passiert gleichzeitig, nichts lässt sich sauber voneinander trennen.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Stärke dieses Romans. Er zeigt, dass das Leben selten so klar ist, wie man es gern hätte. Dass Vernunft manchmal nur ein anderes Wort für Vorsicht ist. Und dass es Mut braucht, den eigenen Weg noch einmal zu hinterfragen.
Mein Fazit:
„Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben“ ist ein kluger, humorvoller und zugleich sehr ehrlicher Roman über das Leben in der Mitte des Lebens. Über Beziehungen, Erwartungen und über die Frage, ob es vielleicht nie zu spät ist, noch einmal etwas anders zu versuchen.
Ein Buch, das unterhält. Und das gleichzeitig erstaunlich lange nachwirkt. (SoRa)
Über die Autorin
Anika Decker, geboren 1975 in Marburg, arbeitet als Drehbuchautorin und Regisseurin in Berlin. 2007 gelang ihr mit ihrem sensationellen Drehbuchdebüt Keinohrhasen der Durchbruch. 2015 debütierte sie als Regisseurin, der Film Traumfrauen, nach eigener Vorlage, war eine der erfolgreichsten Kinoproduktionen des Jahres. Ihre zweite Regiearbeit High Society eroberte Platz eins der Kinocharts. Anika Deckers Romandebüt Wir von der anderen Seite stand wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Auch ihr aktueller Roman Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben stand monatelang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Die Hörfassung war sieben Monate in den Top Ten von Audible.






























