Barfuß im Park

Der Barfußpfad im Repelner Jungbornpark

„Träume sind dazu da, verwirklicht zu werden.“ Das war stets die Ansicht von Friedhelm Wittfeld gewesen. Einen seiner Träume, nämlich ein internationales Blechbläser-Festival in Moers zu etablieren, hatte er sich bereits erfüllt. Seinen zweiten großen Traum, die einstige um 1900 vom alten „Lehmpastor“ Emanuel Felke begründete Kur-Tradition im Repelener Jungbornpark wieder neu zu beleben, konnte er jedoch nicht mehr erleben. Friedhelm Wittfeld starb im Juli 2009 an Krebs. Bis zu diesem Zeitpunkt waren unter seiner unermüdlichen Regie im Repelener Jungbornpark bereits ein Felke-Museum in Form einer damaligen, so genannten „Licht-Luft-Hütte“ mit einem kleinen Lehmbad, sowie ein schöner, offener Musikpavillon für sommerliche Kurkonzerte entstanden, und auch seine Idee eines aus vielen verschieden Naturmaterialen bestehenden Barfuß-Parcours im Park stand schon kurz vor ihrer Verwirklichung. Knapp zehn Monate später war es dann soweit. Am 02. Mai 2010 liefen die ersten nackten Füße über den neuen Repelener Barfußpfad, und Friedhelm Wittfeld – da war seine Frau Christa sicher – hat ihnen dabei mit Sicherheit von oben erfreut zugeschaut.

Gut zehn Jahre hat Friedhelm Wittfelds Idee, einen Barfußpfad im Jungbornpark zu errichten, bis zu ihrer Verwirklichung gedauert. Das Vorbild dafür lag im fernen Bad Sobernheim an der Nahe, wo Emanuel Felke seine letzten Tage als „Lehmpastor“ verbrachte, und seine auf Sonne, Luft und Lehm basierenden Naturheilpraktiken einen bis heute noch gut florierenden Kurbetrieb hervorgebracht haben. Der Bad Sobernheimer Barfußpfad führt auf einem kleinen Teil seiner Strecke durch ein flaches Flussbettstück der Nahe, das könnte man so ähnlich sicherlich auch mit dem Moersbach im Jungbornpark machen, hatte sich Friedhelm Wittfeld damals gedacht, und war mit seiner Idee sogleich an den Repelener Verein „Repelen aktiv“ herangetreten. „Hast Du denn das Geld dafür“, war deren erste, spontane Reaktion auf seinen Vorschlag gewesen, woraufhin Friedhelm Wittfeld geantwortet haben soll: „Das brauchen wir noch.“ Und sie bekamen es, dank eines wenig bekannten nordrhein-westfälischen Fördertopfes für ehrenamtliche Bürgerprojekte, das der Besitzer des örtlichen Hotels „Zur Linde“ Elmar Welling für den Verein ausfindig gemacht hatte.

Rund 400.000 Euro wurden damals für insgesamt fünf Projekte bewilligt, das waren erstens das bereits erwähnte Felke-Museum, zweitens der Musikpavillon, drittens ein Kunstprojekt-Pfad im Park, viertens der Ausbau der jeweiligen Zuleitungswege und fünftens eben jener Barfußpfad. Allerdings mussten 80.000 Euro der bewilligten Summe von den Repelenern selber zum Teil als Barmittel und als Muskelhypothek geleistet werden. Das klappte ebenfalls. Wie für die Verwirklichung der vier anderen Objekte griffen mit Unterstützung der Stadt und des Neukirchen-Vluyner Landschaftsarchitekten Markus Schlothmann auch für den Barfußpfad zahlreiche Mitglieder des Vereins „Repelen aktiv“ fleißig zu Schaufel und Hacke und schafften es damit, innerhalb von nur siebeneinhalb Monaten, dem Repelener Jungbornpark eine weitere Attraktion nicht nur für seine örtlichen Besucher zu schenken. Und das mit Erfolg.           

Seit der Eröffnung sind inzwischen mehrere tausend Menschen jeden Alters über den gut 1.000 Meter langen, aus Schottersteinen, Baumscheiben, Glas, Wasser und natürlich Lehm bestehenden Repelener Barfuß-Parcours gelaufen und haben dabei ihre Füße in den meisten Fällen ganz neu als sinnliche Wahrnehmungsorgane, zugleich aber auch durch die stimulierende Wirkung der unterschiedlichen Beläge für die Belebung ihres gesamten Herz-Kreislaufsystems entdeckt. Ansonsten macht der Lauf über den bunten, fußsensiblen und wasserreichen Barfußpfad einfach nur Spaß, und wer Lust hat, kann den zusätzlich auch noch auf einer Trimm- und Kletterstrecke entlang der einstigen Licht-Luft-Hütten des ehemaligen Repelener Kurbetriebes vervollständigen. 

Wer es einmal ausprobieren möchte: Der Barfußpfad im Repelener Jungbornpark ist von April bis Oktober täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Die Nutzung beginnt für Einzelpersonen mit einem Drei-Euro-Ticket an einem Automaten neben der Repelener Tennishalle am Jungbornpark, wo sie auch ihre Schuhe und Strümpfe in einem Schließfach zurücklassen können. (Jede erwachsene Person kann ein Kind unter 10 Jahren kostenlos mit sich durchs Drehkreuz nehmen. Bitte passendes Geld mitbringen, da keine Wechselmöglichkeit, es werden 1€, 2€ und 0,50€ angenommen.)
Hinter dem Drehkreuz geht es über die bereits erwähnte Trimmstrecke zum eigentlichen Kernbereich des Barfußpfades. Schulklassen und Gruppen ab zehn Personen führt Christa Wittfeld auf Anmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten gerne persönlich über das Gelände. Weitere Informationen zum Barfußpfad im Repelener Jungbornpark gibt es unter der Telefonnummer 02841 – 9166190 oder über die Website.

barfusspfad-moers-repelen.de

Text: Jutta Langhoff | Bilder: Jutta Langhoff, Christel Rosendahl / NiederRhein Edition 2011

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