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Bienen – Die kleinsten Nutztiere der Welt

Ein kleines biologisches Kompetenzzentrum für alles, was man über die fleißigen Honigsammler und ihre Verwandten wissen sollte, hat seinen Standort in Rumeln-Kaldenhausen.

Text: Jutta Langhoff | NiederRhein Edition, Ausgabe 02/2019

Die Biene, zurzeit wird über kein Tier mehr gesprochen als über dieses kleine Insekt. Es sammelt nicht nur Honig, sondern ist auch ein wichtiger Bestäuber für viele unserer Nutzpflanzen, und es ist in Gefahr. Niemand weiß das besser als die derzeit 270 Mitglieder des Duisburger Kreisimkerverbandes. Deswegen ist ihr seit 1952 anfangs in Duisburg-Wedau und jetzt in Rumeln-Kaldenhausen beheimatetes Bienenmuseum schon lange mehr als „nur“ eine Sammelstätte für allerlei kulturgeschichtliche Relikte des in Europa fast 9000-jährigen Imkerhandwerks, sondern auch ein kleines biologisches Kompetenzzentrum für alles, was man über die fleißigen Honigsammler und ihre Verwandten wissen sollte. Und das ist einiges, wie unsere Jutta Langhoff bei einem Besuch dort  für uns in Erfahrung bringen konnte.

„Die meisten Leute denken bei Bienen oft nur an unsere normalen Honigbienen, also an diejenigen die in Völkern leben“, erklärt Wolfgang Neiß, der zweite Vorsitzende des Duisburger Imkerverbandes: „Es gibt darüber hinaus in Deutschland aber auch noch circa 560 überwiegend solitär lebende Wildbienenarten. Auch sie bestäuben unsere Nutzpflanzen. Ihre Anzahl macht schätzungsweise die Hälfte aller hier bei uns lebenden Bienen aus. Hummeln sind zwar staatenbildend, gehören aber auch zu den Wildbienen, wobei einige von ihnen oftmals sogar täglich mehr Blüten besuchen als unsere Honigbienen.“ Sie alle können im Duisburger Bienenmuseum auf eine vielfältige Art und Weise kennen gelernt werden. So gibt es dort zum Beispiel über das ganze Jahr verteilt mehr als 50 Vorträge und Schulungen, die nicht nur von etablierten und angehenden Imkern, sondern von allen interessierten Naturfreunden besucht werden können. Sie beschäftigen sich unter anderem mit der Einrichtung von Bienenweiden, Zucht und Pflege, sowie der Vermarktung von Imkereiprodukten, vor allem aber mit der in den letzten Jahren dramatischen Bedrohung von Bienenvölkern durch die aggressive Varroa-Milbe. Parasitäre Schädlinge sind derzeit die größte Gefahr, denen ein Bienenvolk ausgesetzt ist, weiß Wolfgang Neiß. Ebenfalls gefährlich seien aber auch andere Bienenvölker, vor allem, wenn das Nahrungsangebot knapp wird. „Und was ist mit Pestiziden und landwirtschaftlichen Monokulturen?“ „Ja die spielen sicherlich ebenfalls eine Rolle“, nickt er. „Darüber gibt es inzwischen eine Reihe von Untersuchungen, die nicht nur an Bienen, sondern auch anderen Insekten durchgeführt worden sind. Gesicherte Erkenntnisse beziehen sich allerdings bisher nur auf die in Massen kontrollierbaren Tiere in Bienenstöcken. Welche langzeitlichen genetischen Auswirkungen das Ganze auf die solitären Arten hat, ist zurzeit noch weitgehend unbekannt, da die Tiere ja in der Regel bald nach ihrer Eiablage sterben.“ Umso wichtiger ist es ihm und seinen Imkerkollegen möglichst viele Menschen für die augenblicklich recht bedenkliche Situation aller hierzulande lebenden Bienen- und Hummelarten zu interessieren.

Großes Engagement für kleine Insekten!

„Bisher lag der Ausstellungsschwerpunkt unseres Museums mehr auf der Geschichte der Imkerei, also auf alten Gerätschaften zur Honiggewinnung, historischen Bienenkörben und so weiter“, erklärte Wolfgang Neiß. „Seit einiger Zeit sind wir aber dabei, das Ganze populärer zu gestalten.“ So sollen in Zukunft mehr die Biologie der Hautflügler und ihre Rolle im ökologischen Zusammenhang im Vordergrund stehen. Zum Beispiel, indem gezeigt wird, wie die verschiedenen Bienen- und Hummelarten über das Jahr verteilt so leben, welche Nahrungsblüten sie bevorzugen, wann und wo sie ihre Eier ablegen und was wir als Garten- beziehungsweise Balkonbesitzer zu ihrer Unterstützung tun können. Dafür verfügt das Museum neben einer modernen Projektionsanlage für Videofilme und diversen Mikroskopen, sowie mechanischen und optischen Messgeräten für Schulklassen über zahlreiche Anschauungsmodelle von Bienen- und Hummelwohnungen, und bietet zudem die Möglichkeit, in einem gläsernen Schaukasten lebende Bienen bei ihren Aktivitäten im Stock zu beobachten. Darüber hinaus entsteht auf dem Außengelände des Museums zurzeit ein artgerechter, rund eintausend Quadratmeter großer Musterbienengarten, bei dessen Einrichtung  sich Wolfgang Neiß und seine  Kollegen vor allem auf ihr langjähriges Erfahrungswissen und einen besonders auf Bienenpflanzen spezialisierten Samenlieferanten in Süddeutschland verlassen haben. 

Der ideale Garten für Solitärbienen ist der, in dem es vom frühen Frühling bis zum späten Herbst ständig blüht.

Als inzwischen wichtiger Bestandteil des Duisburger Bienenmuseums ist der Garten nicht nur eine sehenswerte Bienenweide, sondern beherbergt auch mehrere Bienenvölker und – was ebenso wichtig ist – diverse anschauliche Beispiele dafür, wie man als ganz normaler Gartenbesitzer dem Nachwuchs unserer Solitärbienen behilflich sein kann. Für deren Ernährung ist natürlich ein Garten ideal, in dem es vom frühen Frühling bis zum späten Herbst ständig blüht. Es müssen allerdings auch die richtigen Blüten sein, nämlich solche, die möglichst viel Pollen und Nektar anzubieten haben. Die finden sich im Frühjahr unter anderem an Haselsträuchern und Weiden, an allen Arten von Obstbäumen, später auch an anderen Bäumen, vor allem aber an alten Blumensorten, wie sie einst in unseren Bauerngärten wuchsen. Viele neue, in erster Linie auf Schönheit gezüchtete Blüten- und Staudenpflanzen haben oft gar keine Pollen mehr oder sind wie zum Beispiel bei üppig gefüllten Rosen für die Saugrüssel der Bienen und Hummeln nicht mehr zu erreichen. Für Balkonbesitzer mit weniger Platz empfiehlt Wolfgang Neiß Blumenkästen mit verschiedenen Küchenkräutern zu bepflanzen: „Die werden immer gerne besucht.“ Auch für die Eiablage kann man als Garten- beziehungsweise Balkonbesitzer einiges tun. „Wir freuen uns natürlich sehr darüber, dass sich immer mehr Leute für das Überleben unserer Solitärbienen einsetzen, indem sie die inzwischen in fast allen Gartenmärkten verkauften „Bienenhotels“ in ihren Gärten aufhängen, aber einige Solitärbienen nutzen für ihre Eiablage auch lockere Sandböden, poröse Baumstämme oder sogar Gänge, die sie in Mauerritzen bohren“, erklärt
Wolfgang Neiß. „Solche Überlebensräume im Garten zu schaffen ist mindestens ebenso wichtig.“ Im Bienengarten des Museums ist zu sehen, wie einfach sie zu schaffen sind. Oft genügen dafür lediglich ein gezielt aufgeschütteter Sandhaufen und ein kleiner Platz mit aufgehäuften Resten der letzten Baumschnittaktion. 

Genauso erfreulich findet er übrigens auch, dass sich neuerdings immer mehr Frauen und junge Leute für das Imkerhandwerk interessieren „Imkern ist ein ganz wunderbares Hobby, und wir sind alle gerne bereit, Neueinsteigern bei der Entdeckung dieses Hobbys behilflich zu sein.“ 

Das Bienenmuseum des Kreisimkerverbandes Duisburg e.V. befindet sich in Duisburg-Rumeln/Kaldenhausen in der Schulstraße 11. Die Öffnungszeiten für Besucher sind mittwochs und samstags von jeweils 15 bis spätestens 17.30 Uhr. Weitere Informationen zum Beispiel über Vorträge, Lehrgänge und Veranstaltungen für Schüler- und Kindergartengruppen gibt es im Internet auf www.bienenmuseumduisburg.de.