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Stadt Krefeld will mit neuem Literaturpreis auf die Fantasy-Landkarte – „Pentagondodekaeder“ wird erstmals 2021 auf Burg Linn verliehen

Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer (r.) stellte gestern gemeinsam mit der Kulturbeauftragten Gabriele König (hinten), dem Schriftsteller Bernhard Hennen (l.) und der Linner "Burgherrin" Jennifer Morscheiser den "Krefelder Preis für Fantastische Literatur" vor. Morscheiser hält das Originalexemplar des Pentagondodekaeders in Händen, das als Vorlage für die Trophäe dienen wird. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Die Stadt Krefeld will im Januar 2021 auf der Burg Linn erstmals einen „Krefelder Preis für Fantastische Literatur“ verleihen. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und würdigt herausragende Romane oder Graphic Novels in deutscher Sprache, die sich mit Märchen, Sagen, Fantasy, Science-Fiction und anderen Inhalten der Fantastik beschäftigen. Der Preis, der in Form eines zwölfseitigen Würfels (Pentagondodekaeder) überreicht wird, soll ab 2021 alle zwei Jahre vergeben werden. „Wir haben alles, was man braucht, um einen solchen Preis bundesweit zu etablieren: eine Tradition als Literaturstadt, eine aktive Fantasy- Szene am Niederrhein und eine mittelalterliche Burg, die zuletzt einen klaren Schwerpunkt auf Fantasy gesetzt hat“, betont Oberbürgermeister Frank Meyer.

Die „Burgherrin“ und Museumsleiterin Jennifer Morscheiser hat in den vergangenen Monaten gemeinsam mit dem Krefelder Bestsellerautor Bernhard Hennen („Die Elfen“, „Die Chroniken von Azuhr“) viel Vorarbeit für den Preis geleistet. Durch Lesungen, Ausstellungen und ein „Festival der Phantasie“, das schon zur Premiere 1800 Besuchern anlockte, ist die Burg Linn mehr und mehr in den Fokus der Fantasy-Fans geraten. „Wir sind von Anfang an geradezu überrannt worden – und zwar nicht nur von Menschen, die sich ohnehin für das Genre interessieren“, sagt Morscheiser. Inzwischen gebe es sogar Anfragen von internationalen Autoren, die auf der Burg Linn lesen möchten. Der Preis für Fantastische Literatur soll die Stadt nun endgültig und dauerhaft auf die Fantasy-Landkarte bringen.

Dafür soll auch das vergleichsweise üppige Preisgeld sorgen. „Ein Literaturpreis ist eine Ehre, aber von Ehre kann man nicht leben. Ein Preisgeld in dieser Höhe ist deshalb das größte Geschenk, das man einem Künstler machen kann. Es ist ein Geschenk der Freiheit, weil man damit ein ganzes Jahr Freiheit gewinnt, an seinen Büchern zu arbeiten“, erzählt Bernhard Hennen, der zuletzt auf der Leipziger Buchmesse den „Seraph“ gewonnen hat. Für die neue Auszeichnung fungiert der inKrefeld ansässige Autor als Mitgründer. „Ich bin mir sicher, dass sich die Existenz dieses Preises schnell im ganzen Land herumsprechen wird“, sagt Hennen.

Der zwölfeckige Würfel, der als Vorlage für die Trophäe des Pentagondodekaeders dienen wird, ist ein archäologisches Fundstück aus dem nahe gelegenen Gelleper Gräberfeld, das in der Dauerausstellung im Museum Burg Linn zu sehen ist. „Das Pentagondodekaeder ist eins der spannendsten Rätsel der Archäologie, weil bis heute niemand weiß, was eigentlich sein Zweck war. Die Theorien gehen von Feldkochofen über Strickliesel bis hin zum Vermessungsgerät“, erzählt JenniferMorscheiser. Entsprechend soll bereits dieses Objekt, das der Preisträger als Kopie erhält, die Fantasie anregen. Das Linner Originalexemplar wurde in einem Frauengrab aus der Zeit nach 341 am römischen Kastell Gelduba gefunden.

Mit der Stiftung des neuen Preises möchte die Stadt Krefeld hochwertige Geschichten aus der Fantastik für eine breitere Öffentlichkeit entdecken und vor allem Kinder und Jugendliche für Literatur begeistern: Denn nicht erst seit „Harry Potter“ ist Fantasy ein bevorzugtes Genre bei jungen Menschen. „Es geht auch um Leseförderung und einen niederschwelligen Zugang zu Büchern – da sind Stoffe, die unsere Fantasie anregen, genau das Richtige“, betont die Kulturbeauftragte der Stadt, Dr. Gabriele König. Passend dazu wurde ein eigener Jugendpreis ins Verfahren eingebunden. Neben den Romanen, die den Krefelder Preis für Fantastische Literatur gewinnen können, sind fantastische Kurzgeschichten von Jugendlichen unter 18 Jahren gefragt, die ebenfalls prämiert werden sollen.

Verlage und Autoren können Bewerbungen für den Hauptpreis ab 1. August 2020 einreichen. Die Werke müssen deutschsprachig sein, eine eigene ISB-Nummer tragen und bis spätestens Ende November im Buchhandel erscheinen. Eine Fachjury, die unter anderem aus Institutsleitungen, Schriftstellern, Kritikern und Literaturwissenschaftlern bestehen soll, erstellt bis Mitte November eine Longlist, passend zum Weihnachtsgeschäft soll dann auch die Shortlist vorliegen. Die Preisverleihung ist in der ersten Januarhälfte 2021 auf Burg Linn vorgesehen. Der städtische Kulturausschuss hat der Gründung des Preises mit breiter Mehrheit zugestimmt. Ende Juni wird der Stadtrat final darüber entscheiden, danach soll zeitnah die bundesweite Ausschreibung erfolgen.