Andere nennen es Urlaub

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Eine turbulente Familiengeschichte mit zwei ungleichen Schwestern, einem kauzigen Vater und einer abenteuerlichen Reise nach Italien.
Mein Fazit
Ich mag Franka Blooms Art zu schreiben: leicht und flüssig, unterhaltsam und mit einem sehr genauen Blick für Menschen und die kleinen Absurditäten des Alltags. Auch diesmal hatte ich schon nach kurzer Zeit das Gefühl, die Figuren nicht nur zu begleiten, sondern sie irgendwie persönlich zu kennen.
In Andere nennen es Urlaub steht Netti im Mittelpunkt – 50 Jahre alt und an einem Punkt angekommen, an dem vieles nicht mehr so richtig zusammenpasst. Ihre letzte Beziehung ist gescheitert, ihr Theatervertrag wurde nicht verlängert, das Geld ist knapp und ihr Sohn beginnt, sich aus ihrem Leben zu lösen. Dazu kommt ihr Vater Bruno, der seit dem Tod seiner Frau nur schwer allein zurechtkommt und um den sich Netti fast täglich kümmert. Eigentlich sollte diese Aufgabe zwischen ihr und ihrer Schwester Ellen aufgeteilt werden, doch wie das in Familien so ist, liegen Anspruch und Wirklichkeit manchmal ziemlich weit auseinander.
Netti braucht dringend eine Auszeit. Als sich ihr die Gelegenheit bietet, mit einem Italiener nach Italien zu fahren, sagt sie deshalb sofort zu. Um Bruno soll sich währenddessen Ellen kümmern. Zumindest ist das der Plan. Als es losgeht, sitzt ihr Vater allerdings bereits auf der Rückbank – und damit beginnt eine Reise, die mit Erholung zunächst nur wenig zu tun hat.
Was mir an diesem Roman besonders gefallen hat, sind die Figuren. Sie sind nicht glatt, nicht immer vernünftig und manchmal durchaus anstrengend – aber gerade deshalb wirken sie so echt. Netti, die sich verantwortlich fühlt und dabei selbst immer wieder zu kurz kommt. Ellen, die ihr Leben scheinbar besser im Griff hat und die Dinge aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Und Bruno, der mit seinen eigenen Plänen, Bedürfnissen und Eigenheiten dafür sorgt, dass diese Reise eine völlig andere Richtung nimmt als gedacht.
Franka Bloom erzählt das alles mit viel Humor, ohne die Themen dahinter kleinzureden. Denn natürlich geht es nicht nur um einen chaotischen Urlaub in Italien. Es geht um Trauer, Überforderung und Verantwortung. Um Eltern, die älter werden, und erwachsene Kinder, die irgendwann merken, dass sich die Rollen verändern. Um Geschwister, die dieselbe Familie ganz unterschiedlich erleben. Und um Menschen, die so sehr in ihren jeweiligen Sichtweisen und Lebensphasen stecken, dass sie manchmal gar nicht mehr sehen, was der andere eigentlich braucht.
Genau deshalb ist Andere nennen es Urlaub für mich auch nicht einfach nur ein Roman für Frauen ab Mitte vierzig. Im Grunde ist es eine Geschichte, die unterschiedliche Generationen miteinander verbinden kann. Vielleicht versteht man nach der Lektüre die eigene Mutter, die Schwester, den Vater oder auch die erwachsenen Kinder ein wenig besser. Nicht, weil der Roman fertige Antworten liefert, sondern weil er verschiedene Blickwinkel zulässt und zeigt, dass in einer Familie selten nur einer recht oder unrecht hat.
Diesen Gedanken hatte ich bereits bei Was geht, Annegret?. Auch dort ist es Franka Bloom gelungen, Lebensphasen und Generationen so nebeneinanderzustellen, dass daraus mehr entsteht als eine unterhaltsame Geschichte. Ihre Romane können einen ins Gespräch bringen – über das Älterwerden, über Erwartungen und darüber, wie verschieden Menschen auf dasselbe Leben schauen.
Trotz der ernsteren Themen bleibt Andere nennen es Urlaub wunderbar kurzweilig. Die Reise nach Italien, die wachsende Reisegesellschaft und die vielen unerwarteten Situationen sorgen für Bewegung und Situationskomik. Gleichzeitig verliert die Autorin nie den Kern der Geschichte aus dem Blick: eine Familie, in der einiges ausgesprochen und neu sortiert werden muss.
Ich habe den Roman sehr gerne gelesen. Wegen des flüssigen Schreibstils, wegen der glaubwürdigen Figuren und weil Franka Bloom es einmal mehr schafft, humorvoll zu unterhalten und gleichzeitig etwas über das Leben und das Miteinander zu erzählen.
Eine klare Empfehlung nicht nur für Frauen in Nettis Alter, sondern für alle, die Familiengeschichten mögen, in denen mehrere Generationen, unterschiedliche Lebensentwürfe und sehr menschliche Reibungen aufeinandertreffen. (SoRa)
Über die Autorin
Franka Bloom ist das Pseudonym einer erfahrenen Drehbuchautorin. Sie verfasste Stoffe u.a. für Kinderfilme sowie «Tatort», «SOKO Leipzig»,«Ein Fall für zwei» etc. und gewann zahlreiche Preise. Sie lebt mit ihren zwei Töchtern und Partner in Leipzig.






























