Frühjahrsputz für Kopf & Seele
»Sie haben mir ins Essen gequatscht!«
Kennt ihr diesen Sketch noch, in dem Loriot einfach nur in Ruhe essen möchte, aber wiederholt dabei gestört wird? Auch wir lassen uns zu oft stören und bemerken es meist nicht einmal. Das kann auf Dauer sehr anstrengend werden!
An der Tankstellenkasse fällt mein Blick auf die Tageszeitung und die aktuellen Horror-Schlagzeilen. In meinem Gehirn sind diese nun gespeichert. Ohne meine Einwilligung, zack, drin! Ich fahre los und während der dreistündigen Fahrt hat mich das Autoradio im Halbstundentakt nun ebenfalls über die dramatischen Entwicklungen in Irgendwo informiert. Auf dem Heimweg springe ich noch bei meiner Mutter rein. Der Fernseher läuft, während sie mir etwas erzählt. Im Hintergrund höre ich leise den Nachrichtensprecher mit Informationen und Mutmaßungen zum Geschehen, der heftige Bilder gleich mitliefert. Registriert und gesichert. Zack, drin! Mir schwirrt der Kopf. Wenig später treffe ich an der Tür auf die Nachbarin, die mir ungefragt ihr Leid klagt. Als wir uns verabschieden, geht es ihr sichtlich besser. Ich hingegen fühle mich leer und niedergeschlagen. Zuhause schaue ich auf mein Smartphone: 23 Facebook-Nachrichten, zwei Anrufe in Abwesenheit, 12 E-Mails. Im Augenwinkel sehe ich meinen Anrufbeantworter leuchten. Eine große Fünf blinkt wie eine mahnende rote digitale Ziffer. Ich fühle mich total ausgepowert, antriebslos und müde. Aber ist das ein Wunder? Nein!
Das Außen, beeinflusst das Innen
Meine Sinne waren die ganze Zeit voll auf Sendung und haben ungefiltert Informationen aufgenommen. Meine Augen sahen Bilder, die nun in meinem Kopf sind. Meine Ohren hörten die Nachrichtenmeldungen, die den Weg in mein Inneres fanden. Obendrauf hat die Nachbarin quasi ihre Sorgen-Mülltonne einfach so in meinem geistigen Wohnzimmer ausgeschüttet – und dann die roten Zeichen, die aufblinken, Signale die piepsend von neuen Nachrichten künden. Sie halten mich seelisch in Alarmbereitschaft. Und das alles ist passiert, während ich meinen eigentlich doch so bewusst, gut strukturiert-geplanten Tagesablauf durchlebt habe: Tanken, Besorgungen machen, bei Mama nach dem Rechten sehen, im Büro noch ein paar Termine für die nächsten Tage vorbereiten…
Psychohygiene – ein echter Gewinn
Wir haben gelernt unsere Zähne regelmäßig zu putzen, uns zu duschen und uns die Hände zu waschen. Wenn wir einen Hundehaufen sehen, wissen wir, dass wir da lieber nicht reintreten und einen Bogen darum machen. Achtsam zu sein mit unserer Psyche und das es wichtig ist, auch diese regelmäßig zu reinigen, das haben wir nicht gelernt – aber das können wir und dürfen wir aus Liebe zu uns selbst beherzigen. Mit ein bisschen Übung und ein paar neuen Routinen wird es einfacher wieder auf sich selbst zu hören und sich zu spüren. Wenn du dir bewusst wirst was oder wer dich in Unruhe versetzt hat, wird es dir leichter möglich sein, freundlich und klar Grenzen zu setzen. Und auch das Karussel in deinem Kopf lässt sich anhalten: Wie wäre es, wenn du die Gedanken – ohne sie zu bewerten – einfach aufschreibst? Fühl dich eingeladen, die Natur zu entdecken und den Augenblick zu genießen. Abends, vor dem Einschlafen, kannst du dich an Dinge oder Situationen des Tages erinnern, die dich glücklich gemacht haben, für die du dankbar bist. Das erleichtert dir nicht nur das Einschlafen, du wirst auch morgens viel beschwingter in den Tag starten. Auch ein paar Yogaübungen, eine geführte Meditation oder einfach mal 20 Minuten in Stille verweilen, können dir helfen, deine alten Muster zu durchbrechen und so wieder geistig in Kontakt mit dir selber und zur Ruhe zu kommen.
„Wenn ein Mensch beginnt,
tiefer nach innen zu leben, lebt er
einfacher nach außen.“
[Anthony De Mello]
Dieser Weg lohnt sich und führt zu viel mehr Lebensqualität und einem bewussteren und selbstbestimmteren Leben. Kannst du noch nicht? Kannst du lernen! Übe dich. Einfach machen.
Dia Zimmermann ist Hypnosecoach und Mutmacherin.
Sie begleitet Menschen bundesweit – online wie auch in ihrer Hypnosepraxis in Niederkrüchten – um ihnen die Abkürzung zu zeigen, mit ihnen die Kraft ihrer eigenen Gedanken erfahrbar zu machen.
www.keinjaaber.de