Zwischen Tradition und Moderne: Kloster Langwaden

Im 12. Jahrhundert als Prämonstratenserinnenkloster gegründet blickt das Kloster in Grevenbroich, unweit von Schloss Hülchrath, auf eine bewegte Geschichte. 1962 bezogen Zisterziensermönche das Kloster, das seit 2004 ein selbständiges Priorat im Zisterzienserorden inne hat.

 

Ungefähr 25 Kilometer westlich von Knechtsteden liegt das Kloster Langwaden, fast majestätisch erstreckt es sich über das weite Wald- und Parkgelände bei Grevenbroich. Dieser anmutige Anblick kommt nicht von ungefähr. Nach der Säkularisierung durch Napoleon wurde das Kloster in herrschaftlichen Besitz überführt, wie es uns Alois Seimetz bei unserem Rundgang erklärt. „Es fiel in den Besitz des Kurfürsten von Maison, der dann hier residierte. Später im 19. Jahrhundert wurde es dann an den Grafen von Nesselrode verkauft“, so der Geschäftsführer des Zisterzienserkonvents.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kloster Langwaden fast völlig zerstört, 1962 kamen drei Zisterziensermönche aus Tschechien und starteten in mühevoller Arbeit mit einfachsten Mitteln den langwierigen Wiederaufbau. „Was also ursprünglich als Prämons-tratenserkloster von Nonnen um 1150 gegründet worden war, wurde somit in den Orden der Zisterzienser überführt“, erklärt uns Alois Seimetz.

Ein Hauptanliegen des Geschäftsführers ist, dass das Kloster wirtschaftlich und religiös selbstständig existieren kann. Ein Projekt der Zisterzienser ist die Beherbergung und Versorgung von Obdachlosen in den Gemäuern. Soziale Arbeit und damit verbundene Integration dieser Gruppe sei eine wesentliche Aufgabe des Ordens. Momentan leben 42 Menschen in der Obhut des Klosters. „Wichtig ist erstmal, dass sie eine Herberge und somit Lebensgrundlage hier haben. Aber wir beschäftigen uns auch damit, die Menschen, die es wollen, in ein selbstbestimmtes Leben, ja vielleicht sogar in den ersten Arbeitsmarkt zurückzuführen“, so Seimetz. Dafür bekommen die Menschen die Gelegenheit, als Landschaftsgärtner bei der Gestaltung des riesigen Parkgeländes mitzuhelfen. „Sie können zuerst auf Teilzeitbasis dort mitarbeiten, wir sehen ja dann, ob sie die Qualitäten für den Job mitbringen“, erklärt der 67-jährige Geschäftsführer. Bei der Teilzeitbeschäftigung haben sie noch die Gelegenheit im Konvent zu leben, allerdings: „Wenn Sie eine Vollbeschäftigung bei uns erreichen wollen, dann muss es ihnen gelingen, in einer eigenen Wohnung außerhalb und selbstständig zu leben“, sagt Alois Seimetz. Sicherlich ein gesellschaftlich relevantes Projekt, was man bei den Zisterziensern in Angriff genommen und auch schon manche Erfolge gebracht hat. „Bei einigen ehemaligen Obdachlosen ist uns der Weg in die Eigenständigkeit bereits erfolgreich gelungen“, erzählt Seimetz. Auch die Außenwirkung wird in Langwaden nicht vernachlässigt: Da die Gärtner einen etwa ein Hektar großen Kloster-Garten nach biologischem Anbau in Schuss halten, können sich Bio-Fans hier regelrecht eindecken mit frischem Obst und Gemüse. „Wir spritzen hier nicht, somit bekommen unsere Kunden absolute Bio-Qualität. Leider ist uns daher die Kürbisernte dieses Jahr von Schnecken zerfressen worden“, so Seimetz wehmütig.

Alois Seimetz ist Geschäftsführer des Zisterzienserkonvents in Langwaden und hat uns bei einem spannenden Rundgang einen Einblick in die Geschichte, das Angebot und Engagement der Zisterzienser gegeben.

Weiterhin finden viele kulturelle Veranstaltungen im Konvent statt, erst kürzlich waren viele Besucher bei einer Vernissage zugegen, bei der Bilder einer Künstlerin mit Musik von Bob Dylan und Lyrik eines Ordensbruders in Szene gesetzt wurden. Und natürlich der schöne Biergarten, der ist gerade im Sommer ein Publikumsmagnet: „Bei schönem Wetter kehren hier viele Radwanderer für ein kühles Bier ein“, sagt Seimetz. Über das Internet kann man eines der neun Gästezimmer reservieren. „Wir haben sehr viele Düsseldorfer Messebesucher als Gäste für eine Übernachtung hier“, so Seimetz.

Ein Hingucker für Kunstinteressierte ist die Skulptur des Langwadener Engels auf der Wiese vor dem Hauptgebäude, genau wie die Sonnenuhr, die die Langwadener Ortszeit durch faszinierende Schatten-spiele fast minütlich genau wiedergibt. Auch der Kreuzweg mit einer zu-sätzlichen Station, der sogenannten „Offenbarung“, beeindruckt entlang einer Mauer die Kunstinteressierten, bevor sie dann schließlich zur heimeligen Kapelle des Konvents gelangen. „Hier finden regelmäßig gut besuchte Gottesdienste statt, die von unseren Patres (lat. für Ordenspriester) zelebriert werden“, erläutert der wirtschaftliche Leiter des Konvents.

Und: Trotz der sichtbaren Weltoffenheit leben hier noch sechs Zisterzienser-mönche, sogenannte „Frates“ (lat. für Ordensbrüder), einen monastisch strukturierten Tagesablauf, mit Gebeten, aber auch mit seelsorgerischer Tätigkeit. Einige gestalten die Gottesdienste in den umliegenden Gemeinden, sowie in der Konventskapelle. Manche sind getreu dem Motto „Ora et Labora“ in der hauseigenen Wäscherei oder im Kloster-Garten aktiv.

Text: Stephan Sadowski | Bilder: Stephan Sadowski und Kloster Langwaden

Anzeige

Regiopartner