So nah und so schön!

Salonnière und Lyrikerin Konstanze Petersmann erinnert an die Fürstin und Dichterin Constance de Salm-Reifferscheidt-Dyck.

Text: Konstanze Petersmann | NiederRhein Edition, Ausgabe 01/2021

Schloss Dyck, das kulturhistorisch bedeutende barocke Wasserschloss des Rheinlandes ist umgeben von einem malerisch prächtigen Schlosspark, der wiederum als Englischer Landschaftsgarten gestaltet, in ein Waldgrundstück eingebettet ist.  Schloss Dyck kann auf eine Geschichte bis in das Jahr 1094 zurück blicken und war viele hundert Jahre im Besitz der Familie zu Salm-Reifferscheidt-Dyck. Im Volksmund wird das kleine Territorium auch „Dycker Ländchen“ genannt. Mit der Stiftungsgründung 1999 hat eine Neuausrichtung begonnen und im Ostflügel des Schlosses sind nun einige Räume als museale Einrichtung für jedermann zugänglich. Auch logieren ist hier möglich: In der ehemaligen restaurierten Remise der Schlossanlage ist das kleine, aber feine Hotel von Schloss Dyck untergebracht.

Als ich dann so nachdenklich aus dem Fenster schaute, erhob sich unter mir, im schwingenden Federflug elegant über dem Wassergraben, ein Reiher. Das war Natur pur und bestimmt fühlte sich auch die Dichterin Constance de Salm-Reifferscheidt-Dyck hier der Natur sehr verbunden. Die Rosen- und Blütenpracht zieht mich in den malerisch gestalteten Englischen Landschaftsgarten des Schlossareals Dyck. Bestimmt hätte die Fürstin und Dichterin, die die Sommermonate stets in Dyck verbrachte, die Oldtimer-Präsentation der Classic Days mit ihrer besonderen dynamischen Atmosphäre sowie die verschiedenen Gartenmärkte, Ausstellungen und Open-Air-Veranstaltungen als Highlights der Saison empfunden. Man sagt ihr nach, dass sie ein offenes Haus pflegte und vielseitig interessiert war.  So komponierte Jean-Paul-Égide Martini die Musik und Constance schrieb den Text zu der Oper „Sapho“. Und während der Wintermonate in Paris, pflegte sie auch dort – wie hier am Niederrhein – die Salon-Kultur mit Themen über Literatur, Theater, Kunst, Musik, Politik und Wissenschaft. Sie lud dazu Schriftstellerinnen, Schauspieler, Journalisten, Wissenschaftler und Musiker ein. Ihre vielseitigen Korrespondenzen zeichnet eine internationale Ausrichtung zwischen Frankreich und dem Rheinland aus.  Während ihr Werk in Frankreich beständig diskutiert und neu aufgelegt wurde, erinnert man sich in Deutschland erst in neuester Zeit wieder an die deutsch-französische Vorkämpferin für Frauen- und Menschenrechte. Aktuell ist das Deutsche Historische Institut in Paris bestrebt, etwa die 7.000 Briefe der Dichterin, Komponistin und Salonnière, Constance de Salm zu lesen und zu digitalisieren. All dies geschieht in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland in enger Zusammenarbeit mit den Vereinigten Adelsarchiven und der Universität Köln/Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit. Mit all diesem Wissen schlendere ich durch den Park und die Mauern von Schloss Dyck, welches ich jetzt auch noch einmal mit anderen Augen betrachte.

Constance de Salm-Reifferscheidt-Dyck
Bereits im Alter von 18 Jahren veröffentlichte Constance ihr erstes romantisches Gedicht Le bouton de rose im Almanach des Muses. 1789 heiratete sie zunächst den wohlhabenden Chirurgen Pipelet de Leury aus Nancy und zog mit ihm nach Paris. Als erste Frau in Frankreich besuchte sie dort ein Lyzeum und schrieb 1794 das Libretto zu der erfolgreichen Oper Sapho von Jean-Paul-Égide Martini. Überzeugt von den Ideen der französischen Revolution engagierte sie sich für Gleichheit, auch was die Rechte der Frauen anbelangte. 1797 veröffentlichte sie den Épître aux femmes (Brief an Frauen) und 1801 die Épîtres à Sophie (Briefe an Sophie). Im Jahre 1802 wurde ihre Ehe mit Pipelet de Leury geschieden.Kurz darauf heiratete Constance den Grafen Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, der im Jahre 1816 von Friedrich Wilhelm III. von Preußen in den Fürstenstand erhoben wurde. Nach ihrer Eheschließung hielt sie sich große Teile des Jahres auf Schloss Dyck auf. Sie führte auch am Niederrhein ein offenes Haus und Dyck, das damals im Rurdepartement lag, wurde von den französischen Honoratioren gerne besucht. Der damalige Präfekt des Departements berichtet über seinen Besuch: „Die Gräfin Constance unterhielt uns mit Feuer und in charmanten Versen über die Unbequemlichkeiten des Landlebens […] Der einzige Kummer, den man in Dyck erfährt, ist, die dortigen Herrschaften zu verlassen.“[1]

Konstanze Petersmann
Konstanze Petersmann ist eine deutsche Lyrikerin, Autorin und Salonnière. Ihr bevorzugtes literarisches Schaffen konzentriert sich auf Lyrik, die geprägt ist von Symbolen, Metaphern und einer Bildhaftigkeit. Ihre Worte, die etymologisch ergründet werden, spüren den großen Antworten nach, ohne jemals den Grund ihrer eigentlichen Bedeutung zu verlassen. Konstanze Petersmann lebt in Düsseldorf und lässt seit 2006 regelmäßig die fast vergessene Kulturform des literarisch künstlerischen Salons in „privater Öffentlichkeit“ und zweckfreier Geselligkeit wieder aufleben. Sie ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller, der Heinrich-Heine-Gesellschaft, sowie im Österreichischen PEN-Club sowie Vizepräsidentin der Deutsch-Italienischen Kulturgesellschaft (ACIT) Venedig, gepaart mit der 2021 in Düsseldorf stattfindenden XVI. Deutsch-Italienischen Kulturbörse.

[1]
Jean Charles François Baron de Ladoucette: Reise im Jahre 1813 und 1814 durch das Land zwischen Maas und Rhein. Hrsg.: Birgit Gerlach. Antiquariat Am St. Vith, Mönchengladbach 2009, ISBN 978-3-00-028810-4, S. 159.

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