Das Magazin für Kultur und Lebensart am Niederrhein

Ein heilsamer Ort für Körper und Seele

Der kleine Klostergarten der einstigen Zisterzienserabtei Kamp

Text + Bilder: Jutta Langhoff | NiederRhein Edition, Ausgabe 01/2018

Der Frühling, für viele Menschen ist er die schönste Zeit des Jahres. Die Bäume tragen frisches Blattgrün, und überall auf den Beeten zeigen sich die ersten zarten Blüten. Das gilt auch für einen kleinen Garten vor den Toren der einstigen Zisterzienserabtei Kamp, in dem sich heute ein weitgehend von ehrenamtlich tätigen Bürgern getragenes geistliches und kulturelles Zentrum befindet. Der kleine Klostergarten ist mit seiner meditativen Botschaft, „Achtsamkeit zu üben“ und „das Alltägliche loszulassen“ ein Teil davon. Deswegen, aber auch wegen der Vielzahl der dort angepflanzten traditionellen Heil- und Gewürzkräuter, sowie der sachkundigen Beratung durch seine ehrenamtlichen Betreuer zieht dieser Garten jedes Jahr viele hundert Besucher an.

Beet- und Sinnesräume auf 500 qm

„Unsere Gärtnermannschaft besteht zurzeit aus zehn Personen“, berichtet Cornelia Merkamp, die als gelernte Gärtnerin und Kräuterfachfrau dem Kamper Klostergarten sein heutiges Aussehen gab. Angelehnt an zahlreiche historische Vorbilder hat sie das gut 500 Quadratmeter große Areal vor fünf Jahren in mehrere Beet- und Sinnesräume aufgeteilt, von denen vier die grundlegenden, schon im alten Griechenland unterschiedenen vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde symbolisieren.

Feuer, Wasser, Luft und Erde

So beherbergt das „Feuerbeet“ zum Beispiel historische Heilpflanzen wie den gelb blühenden Alant, eine bis zu zwei Meter hoch werdende, krautige Pflanze, deren Wurzeln schon in der Antike unter anderem gegen Husten, Blähungen und Gelbsucht, sowie fein gemahlen, mit Schweineschmalz vermischt, als Salbe bei Krätze und Ekzemen verwendet wurden. Im Elementbeet „Wasser“ stehen hauptsächlich wärmeliebende Kräuter und Pflanzen, die in der Bibel Erwähnung finden. Darunter der so genannte Brennende Busch, dessen ausströmende ätherische Öle entzündlich sind und an Moses brennenden Dornbusch aus dem Matthäus-Evangelium erinnern. Dem Element „Luft“ ist ein spezielles Himmel-Beet zugeordnet, auf dem neben diversen rosa und weiß blühenden  Küchenkräutern auch Griechischer Bergtee wächst. Seine aufgebrühten Blätter und Stängel sind noch heute in Griechenland und dem Balkan ein beliebtes Volksheilmittel gegen Husten und Darmbeschwerden. Darüber hinaus dient dieses Beet unseren Bienen und anderen Insekten als ergiebige Nektar- und Pollenweide. Der vierte, dem Element „Erde“ gewidmete Beetbereich ist hauptsächlich mit heimischen Wildkräutern und Heilpflanzen der einstigen Benediktiner-Nonne und bekannten Pflanzenkundlerin Hildegard von Bingen besetzt. Einige davon, wie das schleimlösende und verdauungsfördernde Andornkraut oder der zu den Ingwergewächsen zählende, früher bei Magen- und Darmbeschwerden verabreichte Kleine Galgant, sind kaum noch bekannt, während die Ringelblume auch heute noch in vielen pflegenden und heilenden Hautsalben Verwendung findet. 

Im Mittelpunkt ein Ort des Ruhens und Schauens 

Die vier im Kernbereich des Gartens befindlichen Elementbeete sind durch einen kreuzförmigen Gehweg unterteilt und mit erklärenden Tafeln versehen. In ihrem Mittelpunkt laden Sitzbänke und ein hübscher, kniehoher Steinbrunnen zum Ruhen und Schauen ein. Der übrige Bereich des Gartens bietet neben einem kleinen Areal mit Sumpfkräutern und einer „Gartenapotheke“ mit Kräutern für den Hausgebrauch außerdem einen Rundweg, an dessen Rändern essbare Pflanzen wachsen. Sie sind besonders gekennzeichnet und dürfen von den Besuchern sogar probiert werden. Natürlich nur auf eigene Gefahr. „Giftige Pflanzen haben wir mit deutlichen, roten Warnschildern versehen“, erklärt Cornelia Merkamp. „Der Garten ist ja für jedermann offen, und wir sind nicht immer da. Aber wenn, dann beantworten wir gerne alle entsprechenden Fragen.“ In der Regel ist das jeden Freitag zwischen 15 Uhr und 18 Uhr der Fall. Im Frühjahr und Sommer kann es dabei aber auch schon mal deutlich später werden, denn da kommen oft Besucher, die den Garten nicht nur anschauen wollen, sondern sich für die Bepflanzung ihres eigenen Gartens fachkundige Ratschläge erhoffen. Andere wiederum möchten einfach nur ihr Wissen über Petersilie, Oregano und Co. erweitern oder suchen nach einem bestimmten Kraut, das sie mal ausprobieren wollen. „Einige haben allerdings auch Tipps für uns“, lächelt Cornelia Merkamp. „Darüber freuen wir uns dann besonders.“

Gartenführungen und ein kleiner Kräuterverkauf

Daneben bieten sie und ihr Team zwischen März und Ende Oktober freitags ab 15 Uhr offene Gartenführungen an. Die dauern meist eine halbe Stunde und sind in der Regel kostenfrei. Größere Gruppen zahlen dagegen drei Euro und sollten sich möglichst vorher anmelden. Diese Führungen umfassen auf Wunsch auch die übrigen Gartenanlagen rund um das Kloster. Des Weiteren findet ab Mai an jedem ersten Sonntag im Monat ein kleiner Kräuterverkauf auf dem Gartengelände statt, bei dem die Besucher je nach Jahreszeit für wenig Geld bis zu 20 verschiedene, in Töpfen gepflanzte Küchen- und Teekräuter erstehen können. Wer Glück hat, trifft dabei bisweilen auf einen erstklassigen Hobbykoch und kann zusätzlich zu seinem Einkauf noch ein paar ungewöhnliche Rezeptideen mit nach Hause nehmen.

Besinnung auf die Werte alter Gartenkultur

„Wir möchten mit unserer Arbeit die historische Klostergartenkultur an sich und damit verbunden das Wissen um den Wert der dort angebauten Pflanzen erhalten. Gleichzeitig soll unser Garten aber auch ein Ort der Besinnung auf die Natur und ihre heilsamen Kräfte für Körper und Geist sein“, begründet Cornelia Merkamp ihr eigenes Engagement und das ihrer Kamper Gärtnergruppe. In diesem Sinne freuen sich alle jetzt schon auf die 2020 anstehende Landesgartenschau in Kamp-Lintfort. Dabei wird der Kamper Klostergarten zwar nicht direkt zum offiziellen Ausstellungsgelände gehören, dürfte aber allein schon wegen seiner Nähe zum auf der anderen Seite des Klostergebäudes liegenden Barockgarten eine Menge zusätzlicher Besucher anziehen.


In der Tradition alter Klostergärten bietet der Kräutergarten Kloster Kamp Einblick in einen liebevoll gestalteten Sinnesgarten. Würz- und Heilkräuter der Volksheilkunde bilden die Grundlage für diesen duftenden und blühenden Kloster-Kräutergarten. Führungen und Lesemappen veranschaulichen Kindern und Erwachsenen, Anfängern wie Kräuterfreunden, wertvolles Wissen. Eine weltweite Sortenvielfalt zeugt vom Anspruch des Kräutergartenteams. 

An jedem ersten Sonntag im Monat gibt es einen Kräutersonntag.Jeden Freitag um 15:00 Uhr gibt es Anregungen im Kräutergarten, Führungen und Kostproben. Lassen Sie sich fachkundig beraten. Fragen zu Führungen richten Sie bitte telefonisch an das Zentrum Kloster Kamp, Tel.: 02842 - 92 75 40 oder direkt an Cornelia Merkamp, Tel.: 02833-62 35 oder 0151 - 57 74 92 57, www.hortuslavendula.blogspot.com

Dauer der Führung: ca. 1,5 Stunden
Gebühr: 3,- € pro Person

Ort:
Geistliches und Kulturelles Zentrum Kloster Kamp
Abteiplatz 13
47475 Kamp-Lintfort

www.kloster-kamp.eu


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